Ueber das pflanzliche Amyloid. Von E. Winterstein. (Aus dem agricultur-chemischen Laboratorium des Polytechnikums in Zürich.) (Der Redaction zugegangen am 27. Juli 1892.) Mit dem Namen Amyloid bezeichnen die Botaniker einen Zellwandbestandtheil, welcher gleich dem Stärkemehl durch Jod blau gefärbt wird. Derselbe unterscheidet sich durch diese Reaction von der Cellulose, welche bekanntlich nur bei Gegenwart gewisser Reagentien (Chlorzink, Schwefelsäure) durch Jod eine blaue Farbe annimmt. Als amyloidhaltig werden folgende Objecte angegeben1): die Cotyledonen von Hymenaea Courbaril, Schotia lätifolia, Mucuna urens, Tamarindus Indica, bisweilen auch die Coty¬ ledonen von Lupinus, ferner die Membranen dès Endosperms des Paeonia-Samens, der Samen von Balsamina-Arten, Tropaeolum majus und einiger Primulaceen, sowie von Asparagus, Gladiolus segetum, Iris acuta, Cyclamen neapoli- ' lanum' endlich die Membranen des Cambiums zahlreicher Laub- und besonders Nadelhölzer. Im Lichenin ist gleichfalls Amyloid enthalten. Das Amyloid fungirt in den Samen als Reservestoff, wie zuerst von Godfrin») fur Schotia latifolia, desgleichen , ') A. Tschirch, Angewandte Pflanzenanatomie, S. 173. Trécul (Gompt. rend., Bd. 47, S. 687) beobachtete die directe blauë Färbung mit Jod ausserdem am Zellgewebe mehrerer Phanerogamen, an den Epidermiszellen und dem Unter-Cuticulargewebe von Ornithogalum pyrenaicum, 0. narbonense, Scilla autumnalis, jedoch nicht constant • ^ verschieden stark, doch nicht immer deutlich an den Endospermzellen von Hyacynthus Orientalin Gladiolus psittacus und anderen. 2) Ann. de sc. nat., 6 Sér., T. 19, S. Iff.