164 Ich hatte die vorstehende Mittheilung bereits beendet, als ich die neueste Arbeit von Zeller1) über die Schick¬ sale des Jodoforms und Chloroforms im Organismus erhielt. Zeller hat bei seinem Versuche über die Resorption des Jod- albumins das Jod im Harn quantitativ als Jodsilber bestimmt. Nach den Resultaten meiner oben mitgetheilten Control¬ bestimmung erscheint es kaum möglich, auf diesem Wege zu richtigen Zahlen zu gelangen, es sei denn, dass man das oben angedeutete indirekte Verfahren anwendet, obschon auch dieses nicht geringe Schwierigkeiten bereiten würde. Die Ergebnisse, welche Zeller gewonnen zu haben glaubt, ent¬ behren somit der erforderlichen sicheren Grundlage; eine Controlbestimmung scheint er nicht ausgeführt zu haben, wenigstens ist von einer solchen nicht die Rede. Die Angabe Zeller’s ferner, dass die von mir benutzte combinirte Methode des qualitativen Jodnachweises nicht schärfer sei, als die einfache Stärkereaktion, ist nach meinen durch zahlreiche, auf diesen Punkt gerichtete Controlversuche gesammelten Erfahrungen nicht zutreffend. Sind die vor¬ handenen Jodmengen sehr geringe, so tritt bei der einfachen Stärkereaktion die Färbung im Harne nicht hervor oder verschwindet doch sofort wieder. Rei gleichzeitiger Gegen¬ wart von Schwefelkohlenstoff dagegen setzt sich an der Grenze der SchwTefelkohlenstoffschicht allmählig ein zarter, dunkler Saum ab, der noch bei äusserst geringen Mengen deutlich erkennbar ist. Fehlt der Schwefelkohlenstoff, so macht sich eine derartige Abscheidung in dem Reagenzglase bei Weitem nicht in so deutlicher Weise für das Auge er¬ kennbar. Mit Hilfe der von mir benutzten Methode habe ich Jodkaliummengen von 1:75000 bis 1:50000 im Harne ganz sicher nachweisen können, was mir mit Hilfe der ein¬ fachen Stärkereaktion niemals gelungen ist. Halle, im November 1883. 0 Zeller: Diese Zeitschrift, Bd. VIII, S. 70.