-I Die Frauenmilch. Von Dr. P. Radenhansen. (Aus dem Laboratorium de« Herrn Prof. WÜRTZ. Ecole de médecine Parla). Unter den Fragen der Neuzeit, welche mit der Stärke und Zahl der Bevölkerung in Verbindung stehen und im Grunde mitwirken, die Macht eines Volkes zu bedingen, hat die Pflege der Neugeborenen zunehmend an Bedeutung ge- wonnen. Die Steigerung einer Volkszahl wird nicht nur bedingt durch Zunahme der Geburten, sondern auch durch Minderung der Sterbefalle. Unter letzteren betragen nament¬ lich die Todesfälle im Säuglingsalter erschreckendermässen durchschnittlich lU der jährlichen Geburten. Ès ist bekannt, dass dazu mehrere Ursachen Zusammenwirken,, dass aber vornehmlich in der Weise der Ernährung die Anlässe vieler Sterbefalle zu suchen sind. Von keiner Seite wird bestritten, dass die Muttermilch die einzige natürliche Nahrung des Säuglings sei, da die Ernährung mit dieser eine unmittelbare Fortsetzung der. bisher im Fötal leben geschehenen bildet. Desshalb wird allseitig das grosse Gewicht darauf gelegt, dass alle Mütter, sofern ihr Gesundheitszustand es erlaubt, ihr Kind selbst ernähren. Es gibt aber bekanntlich Ausnahmefalle, die es rechtfertigen, dass eine solche Fortsetzung unterbleibe, wie namentlich erbliche Krankheitsanlage, zunehmende Schwäche* Milchmahgel u. s. w., weil hier nicht nur das Kind eine unzweckmässige Nahrung erhalten, sondern auch die Gesundheit der Mutter', im höchsten Grade bedroht würde. Leider kommen auch noch Gründe hinzu, welche theils äusserst verwerflich sind, wie die Eitelkeit der Mütter, oder schwer zu rechtfertigen,