Weitere Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes. BS5 Mail muss sich wohl hüten, die Vorstellungen, welche wir dem Kan in sinn des Tastorgans verdanken, mit jenen Wahrnehmungen zu eonfundiren, welche der Tastsinn der Haut vermittelt. Achnlich verhält es ich mit einem andern Bedenken, das Lotze S. -101 vorbringt. Loize findet es unvereinbar mit der Existenz fester Empfindungskreise, wenn man im Stande sein sollte, innerhalb eines solchen einen Kreis von einer Kreisfläche, einen King von einem gleich¬ grossen Petschaft zu unterscheiden; allein er hätte nur dann liecht, wenn er beweisen könnte. dass die Unterscheidung der beiden Ein¬ drücke durch den Kaum sinn in Folge der wirklich wahr ge¬ nommenen, verschiedenen Gestalt und räumlichen Ausdehnung der gereizten Hautstelle geschieht, und wenn nicht überdies faetiseh Bezirke in der Haut existirten, innerhalb welcher eine solche Unterscheidung ganz unmöglich ist. Hinsichtlich der durch die alte WebekscIic Methode direct ge¬ messenen Bezirke, die aber freilich nicht für die wahren Empfindungs- kreise gelten können, mag Lotze in gewisser Beziehung nicht Unrecht haben, obschon selbst innerhalb dieser Bezirke die Wahrnehmung der räumlichen Beziehungen der durch den Querschnitt eines soliden Stabes und einer gleichgestalteten Köhre erregten Empfindungen eine so vage ist. dass wir den Umriss und die verschiedene Gestalt jener beiden Tastobjecte nicht zu erkennen im Stande sind, ihre etwaige Unterscheidbarkeit daher wesentlich nur auf unräumlichen Kennzeichen beruhen muss. Ein drittes Bedenken Lotze's bezieht sich lediglich auf die, aus der alten, missverstandenen WEBER’sclien Ansicht fliessende Conse- qnenz. dass die Empfindungskreise »von einer ganz schmalen Linie schärfster Unterscheidungsfähigkeit« umzogen sein müssten. Damit liât es nun freilich seine volle Kichtigkcit. allein dieser Einwurf ist nur gegen die alten WEUEii'schen. nicht gegen die Empfindungskreise ü b er h a up t gerichtet. Viertens endlich weiss Lotze »der sonderbaren Folgerung nicht zu begegnen, welche Köu.ikek aus Webe it’s Annahmen zieht. Es seien a. b, c, </. e auf einander folgende Punkte des Oberarms. Zwei meist schon vor Ueberschreitimg eines jener Bezirke angeben können, innerhalb welcher uns noch nicht einmal die gegenseitige Lage ungleichzeitiger Eindrücke deutlich ist. Dies findet aber seine genügende Erklärung wesentlich darin. dass der rein physikalische Zerstreuungskreis eines bewegten Eindruckes keiner Kreis¬ welle vergleichbar ist, sondern etwa jener Welle, welche ein bewegter Kahn auf dem Wasserspiegel zieht, und überdies cneteris paribus in Folge der Hautverschie¬ bung stets grösser ausfallen mag, als der eines unbewegten Eindruckes C z o r m :t k , Schriften. 25