Weitere Beitrüge zur Physiologie des Tastsinnes. 379 mag er noch so beschränkt und fein sein, mehr als einen sensiblen Punkt treffen, da. einerseits an vielen Hautstellen die sensiblen Punkte so nahe an einander gerückt sind, dass schon die Wirkung des Reizes in gerader, senkrechter Richtung ihrer mehrere treffen muss, und da andererseits neben dieser Wirkung auch eine in seitlicher Richtung, im Umkreise jener, stattfinden muss, gewissermaassen ein Zerstreuungs¬ kreis des Reizes gebildet wird;«........»und so ist es denkbar, dass vielleicht die Erregung der Punkte, welche dem Zerstreuungs¬ oder Irradiationskreise eines Reizes angehören, in irgend welcher Weise für die »Seele das Localzeichen des Reizes ausmacht, dessen eigener qualitativer Inhalt dann durch die Wirkung in gerader Rich¬ tung, durch die Erregung der Punkte, welche das Centrum des Irra¬ diationskreises bilden, wahrgenommen würde. « Man kann in der That annehmen, dass die einzelnen Localzeichen der sämmtliehen, durch die volle Wirkung des Tastreizes er¬ regten sensiblen Punkte für die erzielte Empfindung ein Local¬ zeichen höherer Ordnung zusammensetzen würden, welches, gegenüber dem rein physikalischen, als der p h y siologische Irradiationskreis zu betrachten wäre, während der eigene qualitative Inhalt des Reizes durch die Erregung der Punkte im Centrum des Irradiationskreises zur Wahrnehmung käme. Von der Grösse des rein physikalischen Irradiationskreises, welche vom Druck. von der Elastieität der Haut, von der Beschaffenheit der Umgebung u. dgl. abhängt, bekommt man näherungsweise eine Vor¬ stellung , wenn man darauf achtet, in welchem Umkreise um den Be¬ rührungspunkt herum die Haut, durch eine senkrecht aufgesetzte stumpfe Bleistiftspitze z. B., in Bewegung geräth. Schon bei massigem Drucke entsteht eine trichterförmige Vertiefung, nach deren Mittelpunkt hin die Haut gezerrt und angespannt wird. Eine momen¬ tane Berührung mag eine ähnliche kreisförmige Erregungswelle zur Folge haben, wie etwa ein ins Wasser geworfener Stein. Man über¬ zeugt sich so, durch Beobachtung der Haut, leicht, dass der physika¬ lische Irradiationskreis einen Durchmesser von einigen Linien bis zu mehreren Zollen haben kann ! Es ist jedoch nicht anzunehmen, dass der rein physikalische Zer¬ streuungskreis , dessen Wirkung gegen die Peripherie hin allmählich erstirbt, in seiner ganzen Ausdehnung für den physiologischen, d. h. für das Localzeichen höherer Ordnung in der Art verwerthet werde, dass er gewissermaassen ein Hinderniss für die räumliche Unterschei¬ dung mehrerer Tastreize abgeben könnte. In welcher möglicherweise sehr v a r i a b 1 e n Ausdehnung er aber w i r k 1 i c h in dieser Beziehung