374 Weitere Beitrüge zur Physiologie des Tastsinnes. Zum Beleg- dafür lassen sich mancherlei Erfahrungen anführen. Bei vorurtheilsfreier Erwägung der mitgetheilten zehn Thesen wird man, wie ich glaube, bald zu der festen Ueberzcugung gelangen, dass meine die Ansichten Rotze’s und Weber's versöhnende Theorie des Raumsinnes der Haut auf einer sicheren, unserem gegenwärti¬ gen geringen Wissen allein vollkommen entsprechenden und jede voreilige oder nicht hinreichend begründete Annahme streng ausschlies- senden Basis ruhe, und sowohl Jenen, welche die Wahrnehmung der räumlichen Beziehungen der äusseren Objecte auf dem Wege der »Auffassung«, als Jenen, welche dieselbe nur auf dem Wege der »Wiedererzeugung der Räumlichkeit« erklären zu können meinen, wesentlich genügen dürfte. Auch kenne ich keine That- saelie. welche sich nicht auf die ungezwungenste Weise mit meiner Theorie in Zusammenhang bringen und deuten liesse. Wollte man aber einwerfen, dass meine Theorie Nichts e i g e n t - lieh erkläre, indem sie gewissermaassen nur eine Umschreibung der Thatsachen sei, so könnte ich darauf hinweisen, dass Webeu’s, Rotze's und Meissners Hypothesen durchaus Ni dits besser er¬ klären, dagegen aber zum Tlieil unbegründete Annahmen herbei¬ ziehen, zum Tlieil mit gewissen Thatsachen nicht in Einklang zu bringen sind. Der von mir eingcschlagene Weg erscheint mir als der v o r 1 ä u f i g einzig mögliche und der besonnenen empirischen Forschung allein entsprechende. l’ebrigens halte ich meine Darstellung durchaus nicht für abge¬ schlossen, und es ist mir überhaupt nur um die Sache, nicht um das Recht haben zu thun, weshalb mir jeder fördernde Widerspruch, jede freundliche Zurechtweisung willkommen sein wird. Die Fortbildung der Theorie und die Erforschung der Thatsachen in anderen Richtungen auf eine spätere Zeit verschiebend, beschränke ich mich hier nur darauf, Einiges auszuführen und mitzutheilen, was sieh hauptsächlich auf die Messung der Empfindungskreise, auf die Würdigung der von Rotze zusammengestellten Einwürfe gegen die Existenz der festen Empfindungskreise überhaupt, und auf die expe¬ rimentelle Begründung dieser Annahme gegenüber der Rotze-Meiss- NERsehen Hypothese bezieht. § 8. Ueber Messung der Empfindungskreise. Es ist Rotze, welcher zuerst darauf aufmerksam gemacht hat, dass der nach Weber s alter Methode als Einheit empfundene Raum,