372 Weitere Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes. Denn die grössere Zahl der sensiblen Punkte an sieh bedingt offenbar nicht noth wendig auch einen grösseren Unterschied zwi¬ schen den Localzeichen der einzelnen sensiblen Punkte et vice versa. Ja nicht einmal die Annahme erscheint hinreichend gerecht¬ fertigt. dass der Unterschied der Localzeichen unmittelbar benach¬ barter Punkte überall derselbe sei, obschon dann allerdings die Feinheit der Abstufung der Localzeichen mit der relativen Anzahl der sensiblen Punkte in directe Beziehung gebracht wäre. Damit soll jedoch die fragliche Beziehung, zu deren genaueren Constatirung zunächst noch directe Zählungen der sensiblen Elemente in den verschiedenen Hautregionen erforderlich wären, eben so wenig geleugnet, als angenommen werden — wenn sie auch im Allge¬ meinen schon nach den bereits vorliegenden Erfahrungen in gewissen Kegionen zu existiren scheint. 4. Je weiter zwei sensible Punkte einer Hautregion aus einander liegen, desto differenter müssen auch die ihnen eigenthümliehen Localzeichen sein. —wobei wir, wie gesagt, die Frage offen lassen, ob dies nur dann gilt, wenn die sensiblen Punkte mit verschiedenen Stammfasern Zusammenhängen oder auch dann, wenn sie derselben .Stammfaser angehören. 5. Bei der Einwirkung jedes Druckes, jedes Tast¬ reizes w i r d g e w ü h n 1 i c h ein Complex von sensible n Punkten erregt Meissner . Allein trotz der Erregung mehrerer sensibler Punkte so zu sagen eines Zerstreuungskreises durch ein einfaches und punktförmig beschränktes Tastobject entsteht doch erfahrungsgemäss auf keiner Hautstelle eine vielfache Empfindung, —ja selbst mehrere zeit¬ lich und räumlich getrennte Tastreize fliesseu innerhalb bestimmter und für die verschiedenen Hautregionen verschiedener Grenzen zu einer räumlich einheitlichen, räumlich untrennbaren Wahrnehmung zusammen. (3. Es existiren daher in der Haut Bezirke von be¬ stimmter Grösse und Gestalt, welche eine Anzahl I. 2, 3, 4,____x) von sensiblen, mehr oder weniger gedrängt stehenden P u u k t en umfassen, d e r e n L o c a 1 z e i c h e n sich nur un merklich von einander unterscheiden, und in- u e r h a 1 b welcher somit eine W a h r n ehmuug je d w e d e r r ä u m 1 ic h e n B e zie h un gen der Eind r ü ck e nic h t m e h r möglich ist. Diese Bezirke nannte ich » E m p f i n d u n g s k r e i s e «. Sie müs¬ sen als Raumeinheiten oder Ranmelemente höhere r Ordnung bezeich-