Reisebilder aus Holland in Briefen an Hrn. Prof. Purkyne. 175 Zähnen beschrieben und abgebildet habe, erinnern. Mir war es inter¬ essant , die Substanz zu untersuchen, und Prof. Halbertsma hatte die Gefälligkeit, mir einen mikroskopischen Durchschnitt zu fertigen. Die Untersuchung ergab, dass diese Auswüchse keine Exostosen waren, indem keine Knochensubstanz zu finden war, sondern eine mehr oder weniger durchsichtige formlose Masse mit deutlichen Zahnkanälchen an vielen Stellen. Auch für die Geschichte der Chirurgie habe ich Einiges an der Leydener Anatomie gefunden. Im Zimmer des jeweiligen Profes¬ sors sind die Portraits dreier in der Geschichte der Lithotomie be¬ kannter Männer, nämlich das von Frire Jaques , von Row und von einem Amsterdamer Schmied van Doot. Der erste ist als Erfinder des Seitensteinschnittes, der zweite als der glücklichste Steinschneider des 17. und aller Jahrhunderte bekannt, indem ihm von mehreren tausend Patienten keiner gestorben sein soll. Textor nennt ihn den »schlauen Holländer«, weil er seine Operationsmethode geheim hielt und als lukratives Monopol betrachtete, die stürmischen, neugierigen Fragen seiner Schüler und Collegen aber stets mit den Worten abfertigte : » Celsum lecjitote«, nämlich jene dunkle Stelle des Celsus über den Stein¬ schnitt. — Der Amsterdamer Schmied, welcher ein gewöhnliches Messer in der einen, und einen ansehnlichen, in Silber gefassten lllasen- stein in der andern hält, und ein sehr selbstgefälliges und selbstbe¬ wusstes Gesicht macht, kömmt durch folgende Geschichte in diese gelehrte Gesellschaft. Er hatte sich laut einer im Jahre 1651 ausge¬ fertigten gerichtlichen Urkunde mit jenem Messer, das auf dem Bilde abgebildet und in natura vorhanden ist, unter Beihilfe seines Lehr¬ jungen selbst operirt, und von seinem Steine, der in Silber gefasst aufbewahrt wird, geholfen. Die Sache scheint unglaublich. Jedenfalls müsste er die Sectio alta ausgeführt haben, da er am Damme doch kaum operirt haben konnte. — Hrn. Schlegel, einen Deutschen, der als Gustos am Reichs-Museum fungirt, haben wir auch besucht. Er hat vor einigen Jahren eine hübsche Arbeit Uber den Giftapparat der Schlangen in den Nova Acta Ac. Leop. veröffentlicht, worin er beweist, dass viele Schlangen, Uber deren Giftigkeit widersprechende Angaben gemacht worden waren, in der That giftig seien und einen gerinnten Giftzahn besitzen, aber weiter hinten im Munde, und nicht wie die anderen ganz vorn in Form beweglicher Hauer, woraus sich diese Unsicherheit in den Angaben erklären lässt.