I. Allgemeine Technik der physiologischen Versuche und Vivisektionen von J. Fawlow in St. Petersburg. (Mit 25 Figuren.) I. Allgemeines über die physiologischen Operationen. Um die Funktion und die Bedeutung dieses oder jenen Teils für den ganzen Organismus zu bestimmen, ist man nicht selten gezwungen, den be¬ treffenden Teil zu zerstören oder aus dem Tier zu entfernen.. Aus den danach erscheinenden Abweichungen, vom normalen Verhalten lassen sich Schlüsse ziehen über die Rolle und über die Bedeutung des beseitigten Organs. Das Zerstören oder Entfernen von Organen, welches das Klar¬ werden über ihre Funktion im Auge hat, ist ein ganz gewöhnliches physio¬ logisches Verfahren. Dank ihm hat sich die Physiologie in der Vergangen¬ heit um viele wertvolle Tatsachen bereichert und sie hat allen Grund, es auch in der Zukunft mit großem Vorteil anzuwenden. Aber um zu gewissen Schlüssen zu berechtigen, muß diese Operation durch die sogenannten Kontrollversuche ergänzt werden. In den physiolo¬ gischen Versuchen hat es der Forscher mit einer solchen Verkettung von verschiedenartigen unbestimmten Momenten zu tun, daß das Resultat des Versuchs nicht als ganz und unmittelbar auf die Sache bezüglich betrachtet werden kann. Wenn ein Organ vernichtet oder ausgeschnitten wird, so werden dabei viele andere Organe geschädigt, es bilden sich für diese letz¬ teren neue Umstände (die Ausschaltung des gegebenen Organs nicht mit eingerechnet), so daß die Abweichungen, welche nach der Exstirpation be¬ obachtet werden, die Folge der genannten Umstände sein können und nicht der Entfernung des Organs. Daher müssen die möglichen Nebenwirkungen, welche beim Entfernen eines Organs stattfinden, vorher bedacht werden und jede von ihnen muß in einem speziellen Versuche erprobt werden. Wie furcht¬ bar schwer es aber oft ist, sich über diese Einflüsse bewußt klar zu werden, zeigen uns die nicht selten vorkommenden Fälle, wo zwei genaue Forscher, wenn sie ein und denselben Versuch wiederholen, selbst wenn sie sich gegen¬ seitig durch Briefwechsel zu helfen suchen, doch zu verschiedenen Resul¬ taten gelangen. Und nur wenn der Versuch in Gegenwart des anderen wieder Tigerstedt, Handb. d. pliys. Methodik I, 1. 1