Litteraturbericht. 493 vielmehr kurz, oberflächlich, aber regelmäfsig wurde. Auch für Zeit- sinnversuche hat Verfasser die Atmung registriert, und glaubt er den Münsterbe Röschen Satz bestätigen zu können, wonach, wenn die Phasen der Atmung bei Hauptzeit und Fehlzeit übereinstimmen, die Schätzungen exakter ausfallen, als wenn Haupt- und Fehlzeit von verschiedenen Atmungsphasen begleitet sind. Der Einfluss der intellektuellen Aufmerk¬ samkeit auf die Atmungskurve bestand ebenfalls in einer Beschleunigung bei grofser Regelmäfsigkeit und Oberflächlichkeit. Wurden weiter der Versuchsperson Gehörs- resp. Tastreize gegeben mit der Weisung, mög¬ lichst nicht darauf zu achten, so wurde, im Falle die Aufmerksamkeit der Versuchsperson dabei auf. nichts anderes fixiert war, eine geringe, war sie dagegen auf eine andere Empfindung oder einen geistigen Prozefs fixiert, eine sehr bedeutende Beschleunigung der Atmung konstatiert. Im allgemeinen zeigten Personen, deren normale Atmung schnell ging, geringere Veränderungen unter der Einwirkung des Zustandss der Auf¬ merksamkeit als solche mit langsamer Atmung. A. Pilzecker (Göttingen). W. A. Turner. A Case of Cornet Players Cramp. The Lancet. 29. April . 1893. S. 995. i Ein Kornetbläser, der seit seinem neunten Lebensjahre in einer Musikbande beschäftigt war, leidet seit zwei Jahren an Störungen in der Beweglichkeit der Zunge. Den einfachen, doppelten Zungenschlag kann er nicht mehr ausführen. Er ist weder Raucher noch Trinker und datiert den Anfang seines Übels von der Zeit her, wo nach der Influenza seine Gesundheit geschwächt war. Auf den galvanischen und faradischen Strom reagiert die Zunge, doch ist Heilung dadurch noch nicht erfolgt. Das Auffallendste ist, dafs der Bläser den Zungenschlag ganz gut ausführt, wenn er allein in seinem Zimmer ist, im Orchester jedoch, auf den Wink des Kapellmeisters, versagt diese Fertigkeit regel- . mäfsig. Der grofse Unterschied zwischen willkürlicher und auto¬ matischer Bewegung ist hier offenbar. Türner hält den Fall für eine Art Beschäftigungs-Neurose. Ich bemerke hierzu, dafs wohl die Erfahrung jedes Instrumentalisten an ähnlichen Vorfällen leichteren Grades reich ist. Der Triller des Klavierspielers, das Staccato unter demselben Bogenstrich des Violinisten unterliegen leicht ähnlichen temporären Störungen. Ja, wer irgend eine 'Phrase, deren Ausführung er nicht vollständig beherrscht, von vornherein zu rasch ausführt, kann sich, so „überspielen“, dafs er diese und nur diese Phrase, schliefslich gar nicht mehr herausbekommt; so entsteht eine Art Stottern auf dem Instrument. Mit den. ernsteren Fällen von . Beschäftigungs - Neurose hat diese Erscheinung die Eigentümlichkeit gemein, dafs die Störung der feineren, subtilen Bewegungen isoliert bleibt und die gröberen Bewegungen unbeeinflufst läfst. Wallaschek (London).