414 Litteraturberich t die wirtschaftlichen Verhältnisse armer Landschaftsbewohner herab¬ blickt. Interessant wäre es auch, zu sehen, wie je nach dem Umfange der überblickten Landschaft und je nach der Tülle der Wahrnehmungen ein immer gröfserer Bestandteil der gesamten inneren Welt des Be¬ schauers herausgelockt, ein immer rascheres und intensiveres Arbeiten der psychischen Punktionen angeregt wird. Endlich würde es sich fragen, in welcher Weise und wieweit beim wiederholten Beschauen derselben Landschaft das Rätselhafte verschwindet. Giessler (Erfurt). William James. Thought before language: a deaf-mutes recollections. Philosophical Review, Bd. 1 6. S. 613—624. (1892.) Verfasser veröffentlicht ein sehr beachtenswertes Selbstbekenntnis eines taubstummen Zeichenlehrers aus Kalifornien, Mr. Th. d’Estrella, über die Entwickelung seines Vorstellungslebens, bevor er die Zeichen¬ sprache verstand. Es zeigt . sich, dafs die Möglichkeit zur Bildung abstrakter Gedanken ihm zu Gebote stand, ehe er die Möglichkeit kannte, sich anderen verständlich zu machen. Das Erscheinen und Verschwinden des Sonnenballes war ihm zuerst rätselhaft. Der Anblick des Ballspiels führte ihn zu der Erklärung, dafs ein sehr starker Mann hinter den Hügeln jeden Morgen einen Feuerball hoch in den Himmel schleudere und abends wieder auffange. Die Existenz eines mächtigen Wesens aufser ihm begann für ihn eine grofse Rolle zu spielen. Die Wolken hielt er für den Dampf aus der Tabakspfeife jenes Wesens, den Nebel für den Atem des Gottes an einem kalten Morgen. Die weiteren interessanten Urteilsbildungen sind im Original nachzulesen. Er beging anfangs zahl¬ reiche Diebstähle, zur Ehrbarkeit wurde er jedoch nicht durch die Lehren anderer, nicht durch die Entdeckung der Handlung und Bestrafung geführt, sondern durch die Gröfse seiner Schuld. Er stahl einmal so viel, dafs ihm die Bürde zu schwer wurde. Was ein unmoralisches Individuum in der Neigung bestärkt hätte, verursachte hier die Rückkehr zur Ehr¬ barkeit. Placzek (Berlin). Che. Wiener. Die Freiheit des Willens. Festrede zum Direktorats¬ wechsel der technischen Hochschule zu Karlsruhe. Karlsruhe, Braun¬ sehe Hofbuchdruckerei. 1891. 24 S; Über Freiheit des Willens liest man schwerlich noch, um sich zu belehren, sondern um die überall zugängliche Belehrung vielleicht einmal in einer besonders einfachen oder besonders ansprechenden Form zu haben. Dafs dem Verfasser eine solche zu finden gelungen sei, kann man im allgemeinen anerkennen, obwohl er die Sache zuerst etwas zu pedantisch und breit anfafst und dafür dann hinterher, bei der Er¬ örterung von Verantwortlichkeit, Strafe u- a., etwas abfällt. Er will, was im Grunde alle wollen, die die Frage nicht mit den Interessen der mittelalterlichen Theologie verquicken, wobei ihm aller¬ dings die völlige Übereinstimmung seiner Gedanken mit denen von Hobbes und Spinoza, Priestley und Hume nicht recht zum Bewufstsein kommt. Freiheit im Sinne des Sprachgebrauchs ist nicht Freiheit von Bestimmungs-