404 Litteraturbericht. worden, sondern auch für eine genügende Einsicht in die Schwierigkeit der Psychologie und in die Methode, nach der letztere getrieben werden mufs. ■ Es wäre dann auch reichlich Gelegenheit geboten, gleich hei Be¬ sprechung der einzelnen Erscheinungen und ihrer Gesetze die Anwendung auf die Pädagogik zu machen, wodurch das Buch einen einheitlichen Charakter erhalten hätte, während es jetzt in zwei gesonderte Teile zer¬ fällt und die enge Beziehung zwischen Psychologie und Pädagogik nicht genügend erkennen läfst. Ufeb (Altenburg). Th. Bibot. Sur les diverses formes du caractère. Bevue philosophique. 1892. No. 11. Bd. 34. S. 480-500. Die von wissenschaftlichem Geiste getragene Arbeit behandelt die schwierige Aufgabe, die Charaktere zu klassificieren, in umfassendster Weise: Der Verfasser bringt dabei mit feinem Geschick einen der Zoologie und Botanik entlehnten Einteilungsgrund zur Anwendung, nämlich die Einteilung in Gattungen, Arten und Varietäten. Zwei Kategorien von Charakteren werden ausgeschlossen: die amorphes, welche keine ihnen eigentümliche Form besitzen, sondern ein Produkt der Erziehung und der Umstände sind, und die instables, welche ein Bild der absoluten Unbestimmtheit darbieten. Die Gattungen als solche entsprechen noch keiner konkreten Kealität. Bibot unterscheidet die sensitifs, die actifs und die apathiques_ I. Die sensitifs haben als Kennzeichen die ausschliefsliche Herrschaft der Empfindung. Erregbar zum äufsersten gleichen sie Maschinen, welche sich in fortwährender Vibration befinden. Sie leben vorherrschend innerlich. Die physiologischen Grundlagen dieser Klasse sind zu suchen in dem Vorherrschen der inneren Organempfindungen des vegetativen Hebens. Sie sind im allgemeinen Pessimisten, unruhig, furchtsam, nach¬ denklich. II. Die actifs besitzen die Tendenz zu handeln. Sie gleichen Maschinen, welche sich in fortwährender Bewegung befinden. Sie leben vorherrschend äufserlich. Die physiologischen Grundlagen dieser Klasse bestehen in einem reichen Besitz von Energie, in einem Überflufs von Hebenskraft. Sie sind meist Optimisten, weil sie genug Kraft verspüren, um gegen die Hindernisse anzukämpfen, sie sind fröhlich, unter¬ nehmend, kühn. III. Die apathiques charakterisieren sich durch das Herabsinken des Fühlens und Handelns unter das mittlere Niveau. Die beiden ersten Klassen waren positiv, diese ist negativ. Die apathischen Charaktere dürfen als angeborene nicht verwechselt werden mit den amorphen, welche erworben sind. Die apathiques sind weder Pessimisten noch Optimisten, sie sind indifferent, faul, schläfrig, träge, sorglos. Gehen wir nun von den Gattungen zu den Arten über, d. h. zu den eigentlichen Grundtypen des Charakters, welche Bealität besitzen und der Beobachtung zugänglich sind, so kommt hier ein neuer Faktor hinzu: die intellektuellen Dispositionen. I. Unter den sensitifs werden unterschieden: