374 Litteraturbericht. düngen in zwei verschiedenen Farmen vorhanden, in der Form der voll- bewufsten, persönlichen und in der Form der elementaren, unbewufsten Empfindungen. Die Empfindungsstörungen hei Hysterischen lassen sich dadurch erklären, dafs die „Perception personelle“ verschwunden ist, während die elementaren Empfindungen bestehen bleiben. Die Suggestionswirkung bei Hysterischen ist damit verknüpft, dafs die Beziehung des Begriffs der eigenen Persönlichkeit zum Handeln gehemmt oder geschwunden ist; die Suggestion bewirkt ein automatisches Handeln ohne persönlich bewufstes Wollen. Peretti (Grafenberg). Breuer und Freud. Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene. Neurolog. Centralbl. 1893. No. 1 u. 2. 11 S. Verfasser haben gefunden, dafs die verschiedensten hysterischen Symptome in engem Zusammenhänge stehen mit dem accidentellen Momente, welches die betreffenden Symptome zum erstenmal hervor¬ gerufen hat, wenn auch dieser Zusammenhang nicht immer auf der Hand liegt, sondern oft erst durch Hypnose klargestellt werden kann. Die Erinnerung an jenes psychische Trauma wirkt „nach Art eines Fremd¬ körpers, welcher noch lange Zeit nach seinem Eindringen als gegen¬ wärtig wirkendes Agens gelten mufs“, und zwar erhalten sich solche Erinnerungen deshalb in ihrer vollen Affektbetonung, weil sie Traumen entsprechen, die nicht genügend durch Reflexe, in denen sich erfahrungs- gemäfs die Affekte entladen, „abreagiert“ worden sind, wie dies zum Verblassen der Erinnerung notwendig ist. Das Unterbleiben der Reak¬ tion auf das Trauma kann seinen Grund einmal darin haben, dafs die Natur des Traumas eine Reaktion ausschlofs, dann aber auch darin, dafs das Trauma in einen Zustand von verändertem Bewufstsein fällt, nämlich in eine der sogenannten „hypnoiden“ Bewufstseinszustände, die als das Grundphänomen der Hysterie anzusehen sind und rudimen¬ täre Formen von doppeltem Bewufstsein darstellen. Die in solchen Zuständen auftauchenden Vorstellungen entbehren der ausgiebigen associa- tiven Verknüpfung mit den Vorstellungen des normalen Bewufstseins und werden deshalb auch viel weniger durch Associationen korrigiert. Trotzdem sich die pathogen gewordenen Vorstellungen frisch und affekt¬ kräftig erhalten, fehlen sie doch dem Gedächtnis des Kranken im ge¬ wöhnlichen psychischen Zustande völlig oder teilweise. Gelingt es nun, die Erinnerung an den ein hysterisches Phänomen veranlassenden Vor¬ gang zu voller Heftigkeit zu erwecken, den begleitenden Affekt wach¬ zurufen und den Kranken dazu zu bringen, den Vorgang in möglichst ausführlicher Weise zu schildern und dem Affekt Worte zu geben, so verschwindet das hysterische Symptom sogleich und ohne Wiederkehr. Die ursprünglich nicht abreagierte Vorstellung wird dadurch unwirksam gemacht, dafs dem eingeklemmten Affekt derselben der Ablauf durch die Rede gestattet wird, und gelangt zur associativen Korrektur, indem sie ins normale Bewufstsein gezogen (in leichterer Hypnose) oder durch ärztliche Suggestion aufgehoben wird, wie es im Somnambulismus mit Amnesie geschieht. Peretti (Grafenberg).