Zur Theorie der cerebralen Schreib- und Lesestörungen. Von Privatdocent Dr. B. Sommer in Würzburg. Im folgenden möchte ich einige Beobachtungen mitteilen, welche für die Theorie des Lesens und Schreibens, besonders in Bezug auf die Kombination von Buchstaben zu Worten, von Bedeutung sind. Gleichzeitig kann ich dieselben zu meiner Veröffentlichung „ Zur Psychologie der Sprache“ (cfr. diese Zeit¬ schrift 1891) in Beziehung setzen. Es handelt sich um den 60jährigen Bauer Hebling aus Greufsenheim bei Würzburg, welcher vor P/2 Jahren einen Schlaganfall (Ohnmacht mit darauffolgender Lähmung des rechten Armes und Beines) erlitten hat. Ein schiefes Gesicht, sowie Störungen bei der Bewegung der Augen und beim Sehen will er nicht gehabt haben. Gleich nach dem Schlaganfall hat er nicht lesen und nicht schreiben gekonnt. Die rechtsseitige Lähmung besserte sich schon nach 14 Tagen. In der ersten Zeit fand er die Worte manchmal nicht. Am 6. September 1892 wurde mir der Kranke von der hiesigen Universitätsaugenklinik, an die er sich wegen seiner Lesestörung gewendet hatte, zugesandt mit folgender Be¬ merkung: rR. 4- 0,5 D., S= 2/s ; L. -f- 1,0 JD. ; S = 1 ; ophthalmo¬ skopisch beiderseits normal. Ebenso die Pupillen.“ Es war also keine peripherische Ursache zu einer Lesestörung vorhanden. Im Zusammenhang mit dem Schlaganfall ergab sich die Annahme einer cerebralen Störung mit grofser Bestimmtheit. Die genauere Prüfung ergab folgendes. Da ich bemerkt habe, dafs es bei solchen Lesestörungen manchmal auf die Beihen- folge ankommt, in welcher die Proben vorgelegt werden, Zeitschrift für Psychologie V. 20