302 Litteraturbericht. eigenen Begeisterung eine Lanze für den Hypnotismus ; was er giebt, ist immer interessant und anregend, wenn auch nicht immer überzeugend. Leider eignet sich der Vortrag nicht zu einem kurzen Referat. Es folgen dann Beiträge von Liébeault, Dei.boeuf, Schrenck-Notzing, Freund, von Uden etc. etc. Man hört über „Hypnotismus und Suggestions¬ therapie“, — „Über künstlich verlängerten Schlaf“, — „Grundzüge der Psychotherapie“ — „Psychologische Betrachtungen über den Hypnotismus“ — „Eine Geburt in der Hypnose“ — etc. etc. Schon die vorliegenden Hefte bringen viel Interessantes, auch für den, der bisher nicht Anhänger des Hypnotismus ist. Und mit den nicht anfechtbaren Thatsachen mufs sich schliefslich jeder auf diesem oder jenem Wege abfinden, auch auf die Gefahr hin, hier oder dort seine bisherige Ansicht vielleicht korri¬ gieren zu müssen. Es wird von Interesse sein, auf einzelne Abhand¬ lungen, sobald sie abgeschlossen sind, des näheren einzugehen. Umpfenbach (Bonn). H. Schmidkunz. Psychologie der Suggestion (mit ärztlich-psychologischen Ergänzungen von F. 0. Gerster). Stuttgart, Ferdinand Enke, 1892. 425 S. Verfasser steht der Suggestion mentale und dem Occultismus sehr wohlwollend gegenüber. Dichter werden zum Beweise seiner Sätze fast ebensooft citiert, wie Psychologen und Naturforscher, und unter letzteren die unzuverlässigen entschieden bevorzugt. Das Verdienst Liébeaults wird dem „eines Newton oder eines Leibniz“ an die Seite gestellt. Die Halluzinationen der Hypnose aus einer „materiellen Projizierung durch Körperausströmungen“ zu erklären, erscheint dem Verfasser eine „durchaus nicht so ungeheuerliche Hypothese“. — Nach diesen Sätzen, sowie nach nach der wohlberechtigten Kritik, welche Wundt neuerdings (Hypnotismus und Suggestion. Philosoph. Studien. Bd. 8, H. 1) an der ganzen, auch von Schmidkunz vertretenen Richtung einer gewissen „Experimental¬ psychologie“ geübt hat, dürfte es überflüssig sein, auf den Inhalt des ScHMiDKUNzschen Buches trotz des unleugbar auf dasselbe verwandten Fleifses näher einzugehen. Ziehen (Jena). Ziehen. Über Störungen des Vorstellungsablaufes bei der Paranoia. Arch. f. Psych., XXIV, 1. u. 2. Heft. Verfasser macht darauf aufmerksam, dafs bei der Paranoia neben den beiden Hauptsymptomen, den Wahnvorstellungen und Sinnes¬ täuschungen, die formalen Störungen des Vorstellungsablaufes bisher fast ganz unbeachtet geblieben sind, obwohl solche nicht nur oft interkurrent Vorkommen, sondern auch mitunter eine durchaus dominierende Rolle spielen. Solche formale Störungen im Gange der Ideenassoziation, d. h. in den Beziehungen der successiven Vorstellungen untereinander, sind die Beschleunigung der Ideenassoziation und die Verlangsamung oder Hemmung derselben. Dazu kommt nach Ziehen noch eine dritte Störung, die er als Inkohärenz des Vorstellungsablaufes bezeichnen möchte. Zum näheren Verständnis geht Ziehen erst auf die Ideenassoziation der geistig Gesunden näher ein. An eine Empfindung knüpfen sich successive so und soviele Vorstellungen. Bestimmend für die Succession dieser Vor¬ stellungen in der Ideenassoziation ist die sogenannte assoziative Ver-