Litter aturbericht. 295 Die elementare und letzte Form der Bewegung ist die Bewegung des Äthers. Der Äther ist das unendliche Wesen, die Substanz für alle Bewegung, aber noch nicht Gott selbst, höchstens ein grandioser Anblick Gottes. Dies Wesen ist unerfafsbar für die Wissenschaft, denn sie kann nur das ergreifen, was sich isolieren läfst. Sie kann aber Gott nicht von der Welt isolieren, weil er davon die intime und untrennbare Wirklichkeit ist. — Jede Art von Bewegung ist eine Wesenheit, sie offenbart sich in der Empfindung. Bewegung ist daher der Begegnungspunkt von Quantität und Qualität. — Bei jedem endlichen Wesen mufs man Potenz und Akt unterscheiden. Wenn bei dem endlichen Wesen der Akt die Potenz voraussetzt, so setzt hei dem unendlichen die Potenz den Akt voraus. Den unendlichen Akt nennen wir Gott, die unendliche Potenz die Welt. — Gott begnügt sich nicht damit, die Vollendung zu sein, er will sie erobern, verdienen. Weil er nicht in dem Zustande der rohen Vollendung bleiben will, stellt er sich selbst in Frage, indem er sich in gewissem Sinne dem unbestimmten Erfolg der Welt preisgiebt, er wird arm und elend, um durch die Heiligkeit des freiwilligen Leidens seine wirkliche Vollendung zu erfüllen. Die Welt ist in gewissem Sinne der ewige und universelle Christus. — Die Kräfte, welche nicht Bewegungen wären, würden Gott ebenso fremd sein, als der Natur. Auch die Seele ist Bewegung. Da nun jede Seele, überhaupt jede Kraft als Bewegungen Objekte darbieten, welche der Empfindung zugänglich sind, so sind sie bis auf den Grund durchsichtig. Es giebt in der Unermefslichkeit des Seins keinen einzigen Punkt, welcher nicht durch die Sinne erfafst werden könnte. — In Gott war die Freude das erste, der Schmerz etwas Abgeleitetes. Der Schmerz ist in gewissem Sinne eine Folge der göttlichen Vollendung, denn durch Anstrengung, Widerspruch und Streit, mit einem Worte, durch Leiden erlangt Gott erst die höchste Vollendung. — Licht, Schall, Wärme, Materie sind ewig, wie Sein und Bewufstsein. Das Licht ist die Durch¬ sichtigkeit des Seins für das Sein, die Bezeugung der unendlichen Identität, und in dieser Identität die Enthüllung der Form, d. h. des Individuellen. Der Ton ist die Vermittelung zwischen dem Individuellen, der intime Rhythmus einer Kraft und einer Seele, welche eindringt in die anderen Kräfte und in die anderen Seelen. Dies sind ungefähr die Grundgedanken des über 70 Seiten umfassenden Kapitels. Leider stützen sich zahlreiche Erklärungen und Erörterungen auf Begriffe, zu denen der Übergang von der gewöhnlichen Denkweise nicht genügend vorbereitet ist. Nichtssagende Nehenbemerkungen und nicht erklärte Spitzfindigkeiten halten bisweilen den Gedankenfortschritt unnötigerweise auf. Überhaupt fehlt es an verschiedenen Stellen an der sorgfältigeren Durcharbeitung, Gruppierung und Konzentrierung. Daher kommt es auch, dafs sich Ungereimtheiten und Widersprüche einschleichen konnten, auf welche jedoch hier nicht näher eingegangen werden kann. Die folgenden Kapitel behandeln eine Reihe interessanter, mehr psychologischer Fragen, führen jedoch zu Resultaten, welche meist recht problematischer Natur sind. Giessler (Erfurt).