284 Litteraturbericht. dauern, dafs in dem vorliegenden Werke gerade die Beziehungen Fechners zu den Naturwissenschaften, von denen er doch ausgegangen und denen er im Innersten seines Denkens und Strebens stets treu ge¬ hlieben ist, so ungemein wenig zur Geltung kommen. Der Verfasser giebt selbst diese Lücke zu und kann daher in diesem Hinweis keinen unbe¬ rechtigten Tadel sehen. Der innere Entwickelungsgang Fechners wird mit psychologischem Verständnis geschildert. Wir lernen es verstehen, wie derselbe Mann, der mit feinfühligem Sinn dem Seelenleben der Pflanzen nachforschte, gänzlich unberührt von der Fülle historischer Erinnerungen auf dem Forum von Born umherging. Indem wir das Buch lesen, erleben wir gleichsam seihst die verschiedenen, scharf voneinander getrennten Ab¬ schnitte von Fechners mannigfach bewegtem Lehen. Wir hangen mit ihm in der trüben Zeit, wo ihm der dauernde Verlust des Augenlichtes drohte, und freuen uns mit ihm seiner nach der Genesung wiederge¬ wonnenen und bis in ein hohes Alter bewahrten Lebensfreudigkeit. Eines aber müssen wir an dem Buche auf das entschiedenste tadeln, das ist die starke Betonung, welche der Verfasser auf seine von Fechner, abweichenden philosophischen und religiösen Anschauungen legt. Ebenso¬ wenig, wie es gebräuchlich ist, dafs der bildende Künstler dem Stand¬ bild eines grofsen Mannes sein eigenes Bildnis etwa am Sockel als Medaillon anfügt, sondern sich auf die schlichte Einmeifselung seines Namens beschränkt; ebensowenig können wir es für zulässig erachten, dafs der Verfasser seinen eigenen philosophischen und religiösen Stand¬ punkt ausführlich darlegt. Der Gesamteindruck würde harmonischer werden, wenn diese Exkurse bei einer zweiten Auflage, die wir dem Buche recht bald wünschen, ausgelassen würden. Arthur König. L. Edinger. Bericht über die Leistungen auf dem Gebiet der Anatomie des Centralnervensystems im Laufe des Jahres 1891. (Schmidts Jahrbücher. Bd. CCCXXXVI, S. 161 ff. Selbstanzeige.) Im Jahre 1891 sind 162 Arbeiten auf dem in Rede stehenden Gebiete erschienen. Von Gesamtdarstellungen sei die neue Auflage des bekannten OßERSTEiNERSchen Buches1 3, dann ein französisches Werk von Testut 2 hervorgehoben, das aber nur die makroskopische Anatomie gut gieht, und schliefslich seien die photographischen Schnitte erwähnt, welche in technischer Vollendung mit kurzem Text von Krönthals publiziert wurden, 1 Heinrich Obersteinf.r. Anleitung beim Studium d. Baues d. nervösen Centralorgane im gesunden und kranken Zustande. 2. vermehrte u. umgearb. Auflage. Mit 184 Holzschn. Leipzig u. Wien 1891. Franz Deuticke. 8°. XV. u. 512 S. 2 L. Testut, Traité d’Anatomie humaine. T. II. Fase. 2. Neurologie. Paris 1891. G. Doin. 3 Paul Kronthal. Schnitte durch das centrale Nervensystem des Menschen. Berlin 1891. Speyer und Peters. Fol. Mit Vorwort von E. Mendel. XVII Tafeln mit kurzen Texterläuterungen.