Litteraturbericht. H. Campbell. Differences in the nervous organisation of man and woman. H. K. Lewis, London. 1891. 383 S. Die Entwickelungsgeschiclite lehrt bekanntlich, dafs das Weib hin¬ sichtlich der Anatomie der Geschlechtsorgane eine niedere Entwickelungs¬ stufe darstellt. Dieselbe Beziehung zwischen Mann und Weib nimmt Verfasser im grofsen ganzen auch für das Nerven- und Seelenleben an, wie dies auch yon anderer Seite mehrfach geschieht. Er behandelt sein Thema vom physiologischen, psychologischen und pathologischen Stand¬ punkt aus, wobei absichtlich auf die Pathologie der meiste Nachdruck gelegt ist. Mit Ausnahme von genügenden Untersuchungen über den Einflufs der Basse auf das Verhalten des Nervensystems hat Verfasser wohl alles in den Kreis seiner Beobachtungen gezogen, was nur irgend zu seinem Gegenstände in Beziehung steht. Daher der bedeutende Um¬ fang des Buches und die Menge statistischer und kasuistischer Einzel¬ heiten. Der Inhalt des Werkes ist zu vielseitig, um in einem Beferat genügend wiedergegeben werden zu können ; doch sei das eine Ergebnis erwähnt, dafs das weibliche Nervensystem groben Schädigungen weniger ausgesetzt ist und sich im allgemeinen von Erkrankungen schneller erholt, als das männliche, dafür aber auch zur Zeit des Klimakteriums um so öfter und leichter krankhaften Störungen ausgesetzt ist. Schaefer. J. E. Kuntze. Gustav Theodor Fechner (Dr. Mises.) Ein deutsches Gelehrtenleben. X u. 372 S. Mit drei Bildnissen. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1892. Der berechtigte Wunsch nach einer umfassenden Biographie Fechners ist in dem vorliegenden Buche zum grofsen Teile erfüllt. Der Verfasser desselben ist in dem Hause Fechners erzogen worden und daher besser als jeder Andere in der Lage, über das äufsere Leben Fechners eingehend zu berichten. Wir wollen nicht verkennen, dafs, je reichhaltiger und vielseitiger die Früchte eines Forscherlebens gewesen sind, je tiefer sie in den geistigen Entwickelungsgang der Zeit eingegriffen haben, um so schwie¬ riger die Aufgabe ist, welche der Biograph zu lösen hat, und wir um so weniger zum Tadel berechtigt ‘ sind, wenn nicht alle Seiten gleich- mäfsig behandelt werden. Nichtsdestoweniger müssen wir es sehr be-