Theorie des Farbensehens. Von H. Ebbinghaus.1 Mit 5 Figuren im Text. „to ëv biaçepopevov avxo abrcp ^njAtpeperai œcjrçp àpfiovta toS-ou re xai Aupaq.“ Bekanntlich ist der Streit zwischen den beiden nam¬ haftesten Theorien des Farbensehens, der YoüNG-HBLMHOLTzschen und der HerinGschen, noch immer nicht entschieden. Seit einer Reihe von Jahren vielmehr ist er anscheinend fast stationär geblieben: jede der beiden Ansichten zählt eine Anzahl gewichtiger Autoritäten zu ihren sozusagen einge¬ schworenen Vertretern, aber keine vermag die gegnerische ganz niederzuzwingen, oder auch nur erheblich an Terrain über sie zu gewinnen. Dennoch ist in Wahrheit auch hier der Streit der Vater der Dinge geworden. Die Erfordèrnisse des theoretischen Kampfes, die Notwendigkeit, neue Argumente zu finden, um den Gegner endlich völlig aus dem Felde zu schlagen, und die alten Argumente zu stützen durch Verifikation ihrer Konse¬ quenzen, haben eine Fülle praktischer Untersuchungen über die thatsächlichen Verhältnisse unseres Farbenempfindens her- vorgerüfèn. Gerade in jüngster Zeit sind eine Anzahl be¬ sonders wichtiger Beiträge hierzu in rascher Aufeinanderfolge veröffentlicht worden. Wir stehen infolgedessen gegenwärtig auf einem ganz anderen, viel breiteren und viel genauer be¬ kannten empirischen Boden als damals, wo die beiden Theorien ausgedacht wurden. Wenn ich mich nicht täusche, ist es damit bereits möglich, einen Schritt, über sie beide hinapszu- 1 Erweitert nach einem auf dem psychologischen Kôngréfs zu London (August 1892) gehaltenen Vortrag. (Inhaltsübersicht am Schlufs.j ’ Zeitschrift für Psychologie V. 10