Litteraturberich t. 397 die absolute Schwingungsweite zwischen Schmerz und Lust angesetzt wurde (388). Der Eudämonismus kann auch die Frage nicht umgehen: oh Glück gegen den Willen des Beglückten zu fördern sei? wie in Bezug auf Kinder geschieht (389). Zuletzt wird sich aber Glück immer als subjektiv bedingt erweisen, so dafs eine leere Formel (Wolle was der andere will) übrig bliebe (391). — Unabweisliche Forderung: dafs Tugend und Glück vereinigt seien (ib.). In Bezug auf ihre Umkehrung die fort¬ schreitende Objektivierung: Abwehr — Bachetrieb — Wunsch der Ver¬ geltung (393). Sie selbst beruht hingegen sowohl auf thatsächliclier Folge von Vorteil auf Tugend, als auf der natürlichen Erscheinung, dafs der Glückliche, Bewunderte auch sittliches Vorbild wird (395). Das Mafs der Vergeltung ist in beiden Fällen schwierig (397 ff.). In Bezug auf die wirkliche Korrespondenz sind sechs Thesen möglich : 1) Identität (400) — metaphysisch denkbar, am ehesten in engen sozialen Kreisen verwirklicht (402). 2) Tugend Ursache. In einigem Mafse wahr dadurch, dafs Vorstellungen die Wirklichkeit selbst umgestalten (404 f.). Die Kausalität insbesondere vermittelt durch das Gewissen — d.i. die Gattungs¬ erfahrung (408). Jedoch das Mafs der Wirkung eher im umgekehrten Ver¬ hältnis zur ethischen Qualität der Person (410 ff.). Äufseres Glück folgt oft der Unsittlichkeit, jedoch immer auf Grund der Seltenheit dieser Unsittlichkeit (415). Immerhin bleibt eine weite Inkongruenz zwischen Legalität und Moralität zu Gunsten des Gewissenlosen (ib. f.). Ebenso übel ist die Disproportionalität zwischen positiver, insbesondere wirt¬ schaftlicher Leistung und Lohn (417 ff.). 3) Glück Ursache — relativ richtig (425), doch auch das Gegenteil : Glück macht hart (429). 4) Nega¬ tive Kausalität — diese Meinung beruht auf Wortpessimismus, auf un¬ zulässigen Verallgemeinerungen oder auf Irrtümern (430 ff.). 5) Beide beruhen in gemeinsamer Ursache, a) der Schönheit (434), wofür wiederum die Empfindung aus Gattungserfahrungen des Zweckmäfsigen verstanden werden mufs (437 f.). Jedoch auch hier Diskrepanzen: das Gefühl ist konservativer als der Verstand (441), daher auch die ästhetische Empfin¬ dung mit ihm in Konflikt gerät (442). Obgleich aber z. B. der ästhetische Widerstand gegen den Sozialismus stark ist, so kann doch auch ästhetische Empfindung (des Massenelends) ihn fördern (443 f.); h) der Beligion — es giebt eine tiefe Analogie zwischen dem Verhalten zur Allgemeinheit und dem zu Gott (445). Aber die Selbständigkeit der religiösen Normen enthält grofse Gefahren (448 f.). Es ist dann allein konsequent, die Sittlichkeit nur aus der Beligion zu schöpfen (454). Der sittliche Wille ist aber wie jeder an Logik nicht gebunden (456); diese Autonomie mufs denn auch dem göttlichen gelassen werden (457). Das religiöse Moral¬ prinzip macht das eigene Heil zur Pflicht (458), wobei ein grofser Vorzug die Konkurrenzlosigkeit solches Strebens (461). Darnach bleibt das Ver¬ hältnis zwischen Beligion und Glück ein zufälliges (463). Erst dazwischen¬ stehende psychologische Verhältnisse bedingen ihren eudämonistischen Wert (465). 6) In Wahrheit giebt es keine konstante Kausalität dieser Art; es treten zu viele variable Gröfsen hinein (466). Die beiden Begriffe sind zu umfassend, nach Inhalt und Umfang zu unbestimmt (ib.). Soweit der Inhalt dieses Bandes. Wir haben es mit einigen be-