Litteraturbericlit. 237 mehr stets kreisförmige Kurven und zwar derart, dafs die unverletzte Körperhälfte dem Zentrum zugekehrt ist. Man könnte zunächst diese Erscheinung rein physikalisch zu erklären versuchen. Es könnten nämlich die Beine der einen Körperhälfte durch die Verletzung so viel an lokomotorischer Leistungsfähigkeit gegenüber den normal funktionie¬ renden Extremitäten der anderen Seite eingebüfst haben, dafs deren Übergewicht das Tier fortwährend von der beabsichtigten geraden Weg¬ linie seitwärts abdrängte und so eine Kreisbewegung veranlafste, wie sie analog ein Wagen mit grofsen Kadern auf der einen und kleinen auf der anderen Seite beschreiben würde. Dem widerspricht jedoch zu¬ nächst, dafs während der Manegebewegung von einer teilweisen Schwächung der Beine oder von einem Koordinationsdefekt nichts wahr¬ zunehmen ist. Ferner bleibt nach künstlicher Motilitätsstörung sowohl bei einem normalen Insekt die Tendenz zu geradliniger Fortbewegung wie bei einem in Manegebewegung begriffenen die Tendenz zur Kreis¬ bewegung durchaus bestehen. Die Manegebewegung kann daher nur psychologisch oder physiologisch bedingt sein. Der ersteren Auffassung huldigt Faivre {Ann. d. sciences natnr. 1857). Er meint, das Insekt bewege sich im Kreise, weil es sich im Kreise bewegen wolle. Verfasser ist der anderen Ansicht. Offenbar mit Recht; denn Insekten, welche intensiv einem Lichtstrahl oder sonst einem bestimmten Punkte zustrebten oder zu entfliehen trachteten, zeigten unzweideutig den Kampf zwischen dem Streben, das Ziel geradlinig zu erreichen, und dem überlegenen Zwange, die Kreistour innezuhalten. Die Manegebewegung ist also physio¬ logischer Natur, eine echte Zwangsbewegung. Sie beruht auf einer durch die Verletzung verursachten ungleich grofsen Innervation der beiden Körperhälften, welche im Zusammenwirken mit den normalen koordinatorischen Assoziationsvorgängen eine koordinierte stetige Ab¬ weichung vom geraden Wege, d. h. eine Manegebewegung auslöst. Schaefer (Rostock). A. Richter. Schädelkapazitäten und Hirnatrophie bei Geisteskranken. Virchows Arch. Bd. 124. S. 297—333. (1891.) Verfasser stellte volumetrische Bestimmungen an, um das Mafs der Hirnatrophie finden zu können, welches sich bei den einzelnen Arten der Gehirnkrankheiten nach verschieden langer Dauer derselben ausbildet. Es kamen zur Untersuchung Gehirngewichte von Idioten, bei denen die Menge der Cerebralflüssigkeit ganz aufserordentlich schwankte, ferner die Imbezillen und Epileptiker. Bei diesen ergab sich, dafs die Länge des Bestehens der Epilepsie auf den Grad des Hirnschwundes keinen ohne weiteres nachweisbaren Einflufs ausübt. Es folgt die Messung von Paranoikern, wo die Untersuchungsreihen annähernd ähnliche Verhält¬ nisse ergaben. Ein durchaus anderes Bild bieten die Tabellen, die Ver¬ fasser über die Gehirngewichte paralytischer Individuen anführt. Es zeigt sich nämlich, dafs die Paralyse bezüglich des Verlaufs der Hirn¬ atrophie eine rapid verlaufende Krankheit und zwar noch mehr bei