236 Litteraturbericht. In einem speziellen Falle soll jedoch nach dem Verfasser das Wiedererkennen einer einfachen Empfindung A noch auf eine andere Weise zu stände kommen können, nämlich dann, „wenn man eine Em¬ pfindung A gehabt hat und nach dem Verlauf der Zeit t eine andere Empfindung x kommt, von der man entscheiden soll, oh dieselbe A gleich oder davon verschieden ist“. In diesem Falle soll „eine solche Schätzung (zufolge der Berührungstheorie) nicht möglich sein, wenn nicht ein Erinnerungsbild « von A besteht,, mit welchem die gegen¬ wärtige Empfindung sich vergleichen läfst.“ Dieses « soll jedoch nicht durch A erst reproduziert werden, sondern es soll als ein willkürlich reproduziertes Erinnerungsbild aufzufassen sein. Mit Hülfe von experi¬ mentellen Untersuchungen hatte nun Verfasser in der ersten Abhandlung eine Entscheidung zwischen dieser seiner Anschauung und der Annahme der Ähnlichkeits-Hypothese, nach welcher die Empfindung A dadurch wieder erkannt wird, dafs sie Erinnerungsbilder von den früheren A- Empfindungen reproduziert und mit diesen verschmilzt, herbeizuführen gesucht. Da die Beweiskraft der erhaltenen Versuchsresultate indessen von Hoffding, und zwar mit vollem Hechte, angezweifelt wurde, so hat Verfasser neue Versuche angestellt und zwar in folgender Weise: Der Versuchsperson wurde zuerst ein Schallreiz von bestimmter Intensität (Normalreiz) angegeben und darauf nach einiger Zeit entweder derselbe oder ein stärkerer oder ein schwächerer Schallreiz, und die Versuchs¬ person hatte zu entscheiden, ob der zweite Reiz dem ersten gleich oder davon verschieden war. Es ergab sich, dafs, wie schon früher Starke, Merkel u. a. gefunden haben, eine Tendenz zur Überschätzung der Inten¬ sität des zweiten Schallreizes besteht. Verfasser betrachtet diese That- sache als einen Beweis für seine Anschauung, da diese Neigung bei bewufster Vergleichung der zweiten Empfindung mit dem an Intensität schwächer gewordenen Erinnerungsbilde der ersten Empfindung not¬ wendig bestehen müsse. Zwei weitere mitgeteilte Versuchsreihen, welche den Einflufs der Gröfse des Intervalls auf den konstanten Zeitfehler zeigen sollen, sind völlig wertlos, da bei der einen Versuchsreihe auf jedes untersuchte Intervall nur 60 nach der Methode der r- u. /'-Fälle ausgeführte Versuche kommen und da in der anderen Versuchsreihe für jedes untersuchte Intervall nur eine einzige Bestimmung der oberen und der unteren Unterschiedsschwelle mit Hülfe der Methode der eben merk¬ lichen Unterschiede ausgeführt ist. Eine eingehende Kritik der beiden Abhandlungen des Verfassers dürfte zu dem Resultate führen, dafs Verfasser weder in experimenteller noch in theoretischer Beziehung sich dem behandelten Probleme ge¬ wachsen gezeigt hat. Schumann (Göttingen). A. Binet. Les mouvements de manège chez les insects. Bevue philos. 1892. No. 2. S. 113—135. Eine sichere Methode, Manegebewegungen bei Insekten zu erzeugen, ist die Zerstörung eines der Cerebroidganglien. Vorsichtig Operierte lassen sich wochenlang am Leben erhalten. Sie haben ein für allemal die Fähigkeit verloren, sich geradlinig fortzubewegen, beschreiben viel-