234 Litteraturbericht. W. Wundt. Zur Frage des Bewufstseinsumfanges. Phil. Stud■ VII. Heft 2. S. 222—231. Das Schlufswort Wundts in der mit dem Referenten über die Methode der Messung des Bewufstseinsumfanges geführten Diskussion. Da W. in der vorliegenden Mitteilung kein erhebliches neues Material als Stütze für seine hypothetischen Anschauungen vorbringt, glaubt Refe¬ rent auch seinerseits die Diskussion schliefsen zu können. Nur sei hier noch ein Einwand angeführt und widerlegt, welchen W. gegen die vom Referenten gemachte Annahme, dafs wir eine Gruppe successiver gleicher Schalleindrücke kurze Zeit nach der Einwirkung noch vollständig repro¬ duzieren können, erhebt. W. behauptet nämlich, dafs diese Annahme unhaltbar sei und dafs sie „dem Gedächtnis die neue merkwürdige Eigenschaft zuschreibe, Taktschläge zählen zu können.“ Referent vermag diesen Einwand nicht als berechtigt anzuerkennen, da die obige Annahme nur ein Ausdruck für eine bekannte Thatsache ist. Zuverlässige Beob¬ achter (z. E. Exneb und Mach) haben nämlich angegeben, dafs sie sich die Glockenschläge einer Uhr, auch wenn sie während des Schlagens dieselben nicht beachtet hätten, unmittelbar darauf noch vollständig in die Erinnerung zurückrufen könnten. Schumann (Göttingen). A. Lehmann. Kritische und experimentelle Studien über das Wieder¬ erkennen. Phil. Stud. VI. Heft 2. S. 169—212. In einer früheren, zahlreiche Einwände herausfordernden und geringe Litteratur-Kenntnis verratenden Abhandlung (Phil. Stud. V. S. 96 ff.) hatte Verfasser sich bemüht, nachzuweisen, dafs die Annahme eines Assoziationsgesetzes der Ähnlichkeit zur Erklärung der Erscheinungen des Wiedererkennens nicht erforderlich ist. Insbesondere hatte er geglaubt, Ergebnisse von experimentellen Untersuchungen gegen die gewöhnliche Annahme, welche das Wiedererkennen einfacher Empfin¬ dungen mit Hülfe des Ähnlichkeits-Gesetzes erklärt, ins Feld führen zu können. Gegen diese Untersuchungen hatte dann Höffding ( Viertel,j. f. wiss. Philos, XIV. S. 27 ff.) eine Reihe von Einwänden erhoben, welche Verfasser in der vorliegenden Abhandlung, teilweise mit Hülfe neuer experimenteller Untersuchungen, zu widerlegen sucht. Die Hauptpunkte sind die folgenden. Es kommt häufig vor, dafs uns eine Person oder ein Objekt bekannt erscheint, ohne dafs wir wissen, unter welchen Umständen die frühere Wahrnehmung stattfand. Den in einem solchen Falle stattfindenden Wiedererkennungsakt hatte Verfasser in der ersten Abhandlung als eigentlichen einfachen Wiedererkennungsakt bezeichnet und er hatte angenommen, dafs die Reproduktion der näheren Umstände für den eigentlichen Wiedererkennungsakt selbst durchaus unwesentlich sei. Dieser eigentliche Wiedererkennungsakt sollte nur bei zusammen¬ gesetzten Empfindungen möglich sein und sich durch die Erwartungs¬ theorie erklären lassen, welche annimmt, dafs man von einem Empfindungs- Komplexe (A -j- B -j- C + . . .) zunächst nur einen Teil, z. B. Â, wahr¬ nimmt, dals dieser die übrigen Teile reproduziert und dafs dann durch die Übereinstimmung der reproduzierten Vorstellungen b, c, d mit den