150 Litteraturbericht. klinischen Beobachtungen die Anschauung, dafs man den Sitz der ele¬ mentaren Sinnesempfindung, sowie der vollkommenen Wahrnehmung und daher auch der Halluzinationen in den betreffenden Zentren der Grofs- hirnrinde zu suchen hat. — Grob anatomische Rindenherde schliefsen zwar Halluzinationen nicht aus, aber sie scheinen doch eher den Orga¬ nismus der Wahrnehmung zu zerstören, als die molekularen Verände¬ rungen zu beeinflussen, an die normale Sinneswahrnehmungen und Hallu¬ zinationen gebunden sind. Ganz wie eine normale Sinnesempfindung geht die Halluzination, die durch örtliche Reizung des Sinneszentrums entsteht, zahlreiche Asso¬ ziationen mit Erinnerungsbildern gleicher oder ähnlicher Wahrnehmung etc. ein und ergänzt sich so aus dem Bewufstseinsinhalte ; andererseits tritt sie, wie auch eine Vorstellung das Endresultat einer Kette von Gedankengängen ist, als Resultat innerlich bedingter Gedankengänge auf, indem sie die sinnliche Qualität als Halluzination durch die ge¬ steigerte Erregbarkeit des Sinneszentrums erhält. Neben der gesteigerten Erregbarkeit des Sinneszentrums kann bei der Halluzination auch eine solche der peripheren Sinnesbahn vorhanden sein, und es scheint, dafs bei rein zentral bedingten Halluzinationen ein zentrifugales Mitschwingen in der peripheren Bahn bis zum Sinnesorgan stattfinden kann. 2. Halluzinationen im Bewegungsgebiet. Eine normale Be¬ wegung „wird immer nur hervorgerufen durch einen sensiblen Faktor, der ein Bedürfnis ausdrückt, das Streben erzeugt, ein Lustgefühl herbei¬ zuführen, ein Unlustgefühl abzuhalten. Erreicht dies Gefühl eine ge¬ nügende Intensität, so findet von den sensiblen Rindenzellen aus, als der Grundlage desselben, eine Überarbeitung statt zu den motorischen Ganglienzellen und von hier aus Auslösung der Bewegung, welche Aus¬ lösung als motorische Innervation, Willensimpuls empfunden wird...... Eine gesteigerte Erregbarkeit und wirkliche Erregung des motorischen Rindenzentrums — dessen Funktion die Innervation ist — und krank¬ hafte Reizung führt zu spontan ausgelösten Bewegungsimpulsen, welche analog wie bei den sensoriellen Halluzinationen ihren Inhalt rückwärts aus bewufsten und unbewufsten Vorstellungen erhalten oder ihrer Art und Richtung nach ergänzen. Diese sind also die Halluzinationen der psychomotorischen Centra.“ Als der Sitz der Innervationen, der Willens¬ impulse haben wir die Grofshirnrinde anzusehen. Peretti (Merzig). Löweneeld. Über zwei Fälle von amnestischer Aphasie nebst Be¬ merkungen über die centralen Vorgänge beim Lesen und Schreiben. Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde. II, 1. S. 1—42. (Dezbr. 1891). Bei Besprechung eines eigentümlichen Falles amnestischer Aphasie hatte Grashey sich zu der Anschauung bekannt, dafs sowohl das Sprechen, als auch das Lesen und Schreiben nur buchstabierend vor sich gehe. Danach würde das gelesene Wort nicht als Gesamtbild perzipiert und von demselben nicht sogleich das ganze zugehörige Klangbild angeregt, sondern die Auffassung erfolgte Buchstabe für Buchstabe, und erst