Litterßturbericht. 135 meinen Ermüdungszustand des Nervensystems bedingt, jene beruht auf der durch die Suggestion hervorgebrachten Einengung des Bewufstseins auf einen herrschenden Vorstellungskomplex (S. 61). Die oben aufge¬ führten Allgemeinerscheinungen des hypnotischen Zustandes erklären sich nun leicht (S. 62). Die Befehlsautomatie entsteht durch die sugge¬ rierte Vorstellung, die kataleptische Starre durch die notwendige Stärke der einseitigen Erregung bestimmter centraler Elemente, die Hallu¬ zinationen aus der mangelnden Gegenwirkung anderer Vorstellungen gegen die suggerierten. Die negativen Halluzinationen sind eine Folge der durch Suggestion bewirkten Nichtbeachtung der betreffenden Wahr¬ nehmungen, die aber doch vorhanden sind (S. 64). Die Aufmerksamkeit ist bei dem Hypnotisierten rein passiver Art, die Willenshandlungen haben den Charakter von Triebhandlungen; „nicht der Wille selbst, sondern die Willkür, nicht die Aufmerksamkeit überhaupt, sondern die aktive oder willkürliche Aufmerksamkeit ist. gehemmt“ (S. 68). Auch die Eigenschaft der Erinnerungslosigkeit findet sich beim Schlafe, wie auch bei dem periodischen Irresein (S. 73). Der Abschnitt III (S. 82—95) bespricht die Frage, inwieweit der Suggestion die Bedeutung einer experimentellen psychologischen Methode zugesprochen werden kann, eine Frage, die für die Beurteilung, des wissenschaftlichen Wertes der von „psychologischen Gesellschaften“ oder anderen Freunden des Hypnotismus ausgehenden Bestrebungen, der Suggestionspraxis Verbreitung zu verschaffen, entscheidend ist.- Ein psychologisches Experiment im eigentlichen Sinne ist das Suggerieren nicht; denn es fehlt bei dem Vorgänge die Möglichkeit der für die psychologischen Experimente wesentlichen inneren Beobachtung, sowie die der vollen willkürlichen Beherrschung des Versuchsgegenstandes. „Wer nicht durch eine von einem exakten experimentellen Verfahren geleitete Selbstbeobachtung über die Grunderscheinungen des seelischen Lebens bereits aufgeklärt ist, wird aus der Beobachtung der Lethargischen und Somnambulen und aus - deren Angaben schwerlich Aufschlüsse ge¬ winnen“ (S. 93). Die praktische Bedeutung der Hypnose endlich (Abschnitt IV, S. 95 ff.) mufs auf die nicht zu leugnende Anwendbarkeit in der Therapie beschränkt werden. Nur dem Arzte sollte das Hypnotisieren gestattet sein. Dafs eine Schädigung der ohne Grund Hypnotisierten nicht zweifel¬ haft ist, folgt schon aus der schnellen Zunahme der Erleichterung und Verstärkung der suggerierten Einwirkungen, wie aus der Möglichkeit der Herausbildung einer Suggestibilität im wachen Zustande. Der Inhalt der Schrift wird gewifs in weiten Kreisen Interesse erregen und nicht wenig zu einer ruhigen Beurteilung der Thatsachen der Hypnose beitragen. Der Psychologe wird in ihr vor allen Dingen ein Musterstück der Methode bewundern. Dafs die Psychologie in ihrer, heutigen Gestalt bereits eine derartige Anwendung, wie sie hier vorliegt, erlaubt, ist gewifs der beste Beweis, dafs . sie sich auf richtigem Wege befindet. Daran -wird auch nichts geändert, wenn noch nicht jeder Punkt geklärt sein oder einzelne Punkte andere Auffassungen zulassen sollten. So scheint mir die Frage, wie die Suggestion oder die Assoziation, in