Litter a turberich t. 125 energien. Schwabz geht dem Ursprung des Reizbegriffes aus den Unter¬ suchungen am motorischen Nerven nach, wo eine qualitative Ver¬ schiedenheit der Reizgattungen nicht vorhanden sei, vielmehr das grofse Grundgesetz der Erhaltung mechanischer Kraft gelte. Dies treffe für den sensorischen Nerven nicht zu, man könne mit dem Bewufstsein nicht operieren, wie mit der Zuckung der Muskelfaser. Weiter bekämpft Verfasser die Annahme spezifischer Sinnesenergien in den drei von Lotze versuchten Interpretationen desselben, -wonach man darunter eine spezifisch verschiedene Stimmung der verschiedenen Nervenfasern ver¬ stehen oder den Sitz der spezifischen Energien in den centralen Gang¬ lien suchen oder endlich eine Anpassung der Nerven an die äufseren Reize darunter sich denken sollte. Selbst in der von Helmholtz ver¬ suchten erweiterten Fassung, durch welche Stumpf zur Unterscheidung zweier Klassen spezifischer Energien, der qualitativen und der topogenen, gedrängt worden sei, versage das Gesetz, wie Verfasser für den Tonsinn zu zeigen sucht. Ebenso sprächen die BLix-GoLDscHEiDERSchen Versuche über den Hautsinn nur scheinbar dafür, vielmehr hätten die Gründe, welche Lotze gegen das Gesetz spezifischer Sinnesenergien anführte, durch die Untersuchungen von Kiesblbach, Pollak, Wreden, Ubban- tschitsch u. a. neue Bestätigungen erfahren. Im dritten, das Wahrnehmungsproblem vom philosophischen Stand¬ punkt aus behandelnden Teil giebt Verfasser, wie er selbst erklärt, wesentlich eine zusammenfassende Darstellung der von Uphues u. a. beigebrachten Gesichtspunkte. Es mag' daher genügen, darauf hinzu¬ weisen, dafs auch die philosophische Analyse den Verfasser nicht nötigt, von dem Endresultat seiner bisherigen Betrachtungen abzugehen. Die Naturwissenschaft hatte, wie gezeigt, es nicht vermocht, die drei metho¬ dologischen Dogmen des naiven Realismus zu überwinden: Die Bevor¬ zugung der Tastdata war in der physikalischen Zeichenmethode stehen geblieben, die Bevorzugung der anormalen vor den normalen Sinnesdatis war in der Physik wieder aufgetaucht, das Prinzip einer durchgeführten Wechselwirkung der Dinge, welches die Naturwissenschaft im Gegensatz zur gewöhnlichen Ansicht betonte, durchbrach sie selbst wieder, indem sie eine Wirkung auf das Bewufstsein annahm, die ohne Gegenwirkung bleibt. Da ferner die Philosophie nichts über die Frage nach der Ab¬ hängigkeit oder Unabhängigkeit der Sinnesdata vom Bewufstsein zu ent¬ scheiden vermag, so kann auch die metaphysische Anschauung des naiven Realismus bestehen bleiben, ja sie darf sogar nicht als eine un¬ wissenschaftliche bezeichnet werden. A. Pilzecker (Göttingen). P. Weisengrün. Das Problem, Grundzüge einer Analyse des Realen. Leipzig, C. G. Naumann, 1892, 196 S. Es ist sehr schwer, von einer gedankenreichen Schrift einen kurzen Bericht ihres Inhalts zu geben; ebenso schwer aber ist es aus einem inhaltsleeren, weitschweifigen und gespreizten Gerede einige leitende Gedanken herauszufischen. Zur letzteren Gattung gehört das oben genannte „Werk“. Wenn es hier dennoch Erwähnung findet, so geschieht es nur der Vollständigkeit wegen, nach der diese Zeitschrift strebt.