Litteraturbericlit. 117 nicht von der Qualität (den Ähnlichkeitsgraden) der Töne seihst, sondern nur von Nebenfaktoren abhänge (womit also eine Bestimmung der Empfindungsmitte und der Distanzverhältnisse von Tönen als solchen überhaupt ausgeschlossen wäre), so kann ich dies nicht ohne Wider¬ spruch lassen. Ich verstehe aber hieraus einigermafsen, wie M. doch wieder ein Zungeninstrument wählen konnte, obgleich es ihm seihst nicht das beste Objekt scheint. Ihm sind Ohertöne vielleicht eine Kompli¬ kation, aber nicht eine Fehlerquelle für solche Versuche, da es eben in Bezug auf Tonempfindungen als solche für ihn weder richtige noch falsche Urteile giebt. Für neue Arbeiten möchte ich, abgesehen von der wiederholten Forderung einfacher Klänge, einen Wunsch hinsichtlich der Unter¬ suchung und Beschreibung der Versuchspersonen aussprechen. Von den Dreien, deren Ergebnisse mitteilenswürdig erschienen, sagt M. nur, dafs der eine ein feinmusikalischer geübter Cellist war, die beiden anderen aber „niemals musiziert hatten“. Doch wird ausdrücklich hei einer be¬ stimmten Versuchsreihe hervorgehoben, dafs da gerade einer von diesen durch musikalische Motive mitbestimmt schien (S. 167). Ein Zeichen, wie wenig man aus dem äufseren Umstand, dafs einer musiziert hat oder nicht, über das Nachwirken musikalischer Eindrücke schliefsen kann. Es wäre künftig wohl erforderlich, die Gehörsfähigkeiten der Versuchs¬ personen genauer zu beschreiben (Lorenz war hierin ausführlicher) und zwar ganz bestimmte Kriterien zu benutzen, wie Unterscheidungsfähigkeit, Intervallurteil, Benennungsfähigkeit u. dgl. Erst danach kann man sich ein Urteil bilden, oh und inwieweit einer musikalisch und unmusikalisch ist; aufserdem bleiben dies allzu unbestimmte Kategorien. Natürlich werden nicht durchgeführte Versuchsreihen über alle jene Punkte ver¬ langt, die zehnmal so lange dauern würden wie die geplante Unter¬ suchung seihst; eine ziemlich kurze Vorprüfung würde schon genügende Anhaltspunkte bieten. C. Stumpf. Max Dessoir. Über den Hautsinn. Arch. f. Anat. und Physiol. Physiol. Abt. 1892. S. 175—339. Verfasser bezeichnet seine umfangreiche Arbeit eingangs als einen Versuch, eine Physiologie des „Hautsinns“ zu skizzieren, welcher letztere nach seiner Meinung seit E. H. Webers Zeit nicht mehr „von dem Standpunkte systematischer Untersuchung aus“ behandelt worden ist. Der experimentelle Teil seiner Arbeiten ist in dem Institute von Hermann Munk ausgeführt worden. Verfasser behandelt zunächst die Lehre von den Empfindungen überhaupt und bespricht allgemein eine Eeihe der hier einschlagenden Fragen, sodann die Lehre von den spezifischen Energien, welche er namentlich in der von Helmholtz ihr gegebenen Form scharf, zum Teil mifsverständlich, zum Teil mit Ignorierung von physiologischen Beobachtungen, zum Teil mit Hülfe willkürlicher An¬ nahmen (ein Schlag auf den Kopf erzeuge möglicherweise Äther-