Litteraturbericht. 105 D. Fermer. Vorlesungen über-Hirnlokalisation. Deutsche autorisierte Ausgabe von Max Weiss. Leipzig und Wien. Franz Deuticke. 1892. 168 8. Die Litteratur über die Lokalisationsfrage hat in den letzten Jahren derart an Umfang zu'genommen, dafs eine Orientierung für den Ferner¬ stehenden kaum mehr möglich ist. Eine gedrängte, aber sorgfältige Zusammenfassung des Stoffes ist längst erwünscht, und es war recht dankenswert von dem bekannten englischen Autor, dafs er sich einer solchen mühevollen Arbeit unterzogen hat. Verfasser gieht uns in sechs Vor¬ lesungen, die er im Ärztekollegium in London gehalten hatte, eine kurze Skizze über die Entwickelung der Lokalisationslehre ; er wägt auf Grund eigener und fremder Untersuchungen die Argumente für und wider die Existenz spezifischer Zentren ah und bekennt sich schliefslich im Prinzip als warmer Anhänger solcher. Die Bearbeitung des bisher Bekannten läfst hie und da an der nötigen Sorgfalt und an einer richtigen kritischen Würdigung der Beobachtungsresultate anderer, namentlich deutscher Forscher, zu wünschen übrig. Referent vermifst darin vor allem eine eingehende Berücksichtigung der neueren anatomisch-histologischen Arbeiten (Golgi, Forel, His etc.) und in den eigenen Versuchsergebnissen des Verfassers neue Gesichtspunkte und eine gründliche allgemein anatomische Vertiefung. Nichtsdestoweniger wird das kleine Werk, das zweifellos eine gewisse Lücke in der Litteratur ausfüllt, vielen will¬ kommen sein,-und dies um so mehr, als Verfasser darin über eine Reihe ganz neuer eigener Versuchsresultate (meist an Affen) berichtet. Verfasser geht zunächst von vergleichend-anatomischen Gesichts¬ punkten, von der Betrachtung der allgemeinen Bedeutung des Grofshirns in der Wirbeltierreihe aus. Er konstatiert unter Wiedergabe der be¬ kannten Arbeiten von Goltz, Steiner, Schrader u. a. die wachsende Be¬ deutung dieses Hirnteils in ' der Tierreihe aufwärts, namentlich mit Rücksicht auf die Sinnesthätigkeit und Lokomotion. Die Ergebnisse nach Abtragung der Grofshirnhemisphären beweisen aber nichts, weder für noch gegen die Lehre von der Funktionslokalisation. Die Reiz¬ versuche an höheren Säugern, die von Hitzig und Fmtsch begonnen und namentlich in letzter Zeit und durch englische Forscher (Hors¬ ley, Schäfer, Beevor etc.) fortgesetzt wurden, haben zu fruchtbaren und schön übereinstimmenden Resultaten geführt; sie weisen mit Bestimmtheit auf eine scharfe Differentiation der Funktionen in der! Rinde hin. Bei den Reizerfolgen unterscheidet F. Bewegungsäufserungen, die bedingt sind durch direkte Erregung der motorischen Rindenfelder und solche, die als eine infolge subjektiver Sensation auftretende Begleiterscheinung aufzufassen sind. Letztere treten nach Reizung sensorischer Felder auf. Die Methode der Abtragung habe wichtige und teilweise übereinstimmende Ergänzungen bezüglich der Lage der verschiedenen Felder gebracht, und ist Verfasser der Meinung, dafs in den kortikalen Regionen die Differentiation bei weitem ausgesprochener ist, als in den zugehörigen Segmenten z. B. der Zervikalanschwellung des Rückenmarks. Bezüglich der Lokalisation der Sehz entren vertrat Verfasser vor