104 LitteraturbericM. so tritt nur die primäre Kontraktion ein, die sekundäre bleibt aus, denn der Reflexbogen, welcher von der Neuro-konjunktival-Sehicht über das Visceralganglion zu den grofsen Muskeln leitet, ist durch die Abtrennung des Visceralganglions unterbrochen. - Diese Erscheinungen bilden das Fundament für die Theorie des Verfassers. Sie treten bei allen Arten von Beizen ein. Der Verfasser verfolgt dann besonders genau noch die Einzelheiten bei der Reizung mit Licht, indem er zahlreiche Versuche über die Wirkung der Reizungs¬ dauer, der Ermüdung, verschiedener Intensität und verschiedener Wellen¬ länge des Lichtes folgen läfst, die indessen für die Theorie keine wesent- lichen Gesichtspunkte weiter beibringen. Die allgemeine Theorie der Sinnesempfindungen, die der Verfasser auf dieser Grundlage aufbaut und die er für alle mit Nervensystem und Sinnesorganen versehenen Tiere in gleicher Weise als gültig be¬ trachtet, gipfelt nun in der Vorstellung, dafs durch alle Reize zunächst, nicht die Nervenenden erregt werden, sondern ein „système avertisseur“, wie er die Myoepithelialschicht des Siphons nennt, welches den Zweck hat, die Erregung durch seine eigene Bewegung erst auf die Nerven¬ enden zu übertragen, so dafs also der Reiz, welcher Art er auch sei, durch das système avertisseur erst in einen mechanischen Reiz für die Nervenenden umgesetzt wird. So werden z. B. im Auge durch den Lichtreiz zunächst die Stäbchen und Zapfen erregt. Die Folge davon sind Bewegungen dieser Stäbchen und Zapfen. Durch diese Bewegungen werden erst sekundär die Opticusendigungen mechanisch gereizt, so dafs also die Lichtempfindung nach der Vorstellung des Verfassers in Wirklichkeit auf einer mechanischen Reizung des Sehnervs beruht. Dasselbe glaubt der Verfasser für die Geruchs-, Geschmacks- und andere Sinnesempfindungen annehmen zu müssen. Zum Schlufs untersucht der Verfasser noch die Lichtproduktion, des Siphons. Wird ein Pholas irgendwie gezeigt, so erglühen die Wände des Siphons von innen nach aufsen her, und der Schleim, welcher die Oberfläche überzieht, teilt die leuchtende Substanz dem Wasser mit, so dafs das Tier in eine leuchtende Wolke gehüllt erscheint. Das Leuchten wird reflektorisch ausgelöst von der inneren Seite des Siphons, wo von den Schnüren und Dreiecken Nerven zum Visceralganglion ziehen. Diese Nerven sollen nach dem Verfasser zentripetal- und zentrifugalleitend zugleich sein. Die leuchtende Substanz wird produziert von den Wanderzellen in der Neuro-konjunktival-Schicht und, wie es scheint, auch von den eigentümlichen Becherzellen des Epithels, indem die Zellen eine Metamorphose erleiden und in Haufen von durchsichtigen, bläschenartigen Körnern zerfallen, die der Verfasser für die Träger des Leuchtvermögens hält. Sie werden, mit dem Schleim vermischt, nach aufsen abgegeben. Obwohl die Lichtproduktion vom Nervensystem be- einflufst wird, ist der Zusammenhang der Teile für ihr Zustandekommen nicht unbedingt notwendig. Dagegen ist zum Zustandekommen des Leuchtens notwendig, dafs das umgebende Wasser Sauerstoff enthält und schwach alkalisch reagiert. Verwohn (Jena).