Über ein optisches Paradoxon. (Zweiter Artikel.) Von Franz Brentano in Wien. 1. „Habent sua fata libelli“, der alte Spruch bewährt sich immer neu, und so auch mir wieder bei einem kleinen Auf¬ sätze, den jüngst die Zeitschrift vor den Leser brachte.1 Sein Problem war ein verschwindend kleiner Punkt im weiten Raum psychologischer Forschung, und, aufrichtig gesagt, besorgte ich* die Abhandlung werde darum kaum beachtét, und so auch einem allgemeineren Interesse, das ich im Auge hatte, wenig damit gedient werden. Denn freilich war es mir um etwas mehr zu thün, als einen vereinzelten Fall optischer Täuschung aufzuhellen; an anschaulichem Beispielwünschte ich zu zeigen, was geordnetes psychologisches Verfahren vermag, und wie zwischen rivalisierenden Hypothesen, auf dem Gebiete" des Geistes nicht anders als auf dem der Natur, ein experimentum crucis mit Sicherheit entscheidet. So war ich denn angenehm überrascht, als ich nun doch bemerkte, wie da und dort jemand mit eifrigerer Teilnahme der Untersuchung folgte, und zumal, als ich der freundlich ein¬ gehenden Besprechung begegnete, die schon im ùnmittelbar folgenden Heft Th. Lipps der kleinen Arbeit gewidmet hat.2 1 Über ein optisches Paradoxon, von F. Brentano. Zeitschrift für Psychol, u. Physiol, d. Sinnesorgane III, S. 349 ff. 2 Zu Franz Brentanos „Über ein optisches Paradoxon“, Zeitschr. f. Psychol, u. Physiol, d. Sinnesorgane III, S. 498 ff.