(Aus dem psychologischen Institut zu Göttingen.) Über die Schätzung kleiner Zeitgröfsen. Von F. Schumann. Mit 4 Figuren im Text. i. Über die psychologischen Grundlagen der Vergleichung kleiner Zeitgröfsen. § 1. Obwohl eine gröfsere Anzahl von experimentellen Unter¬ suchungen über die Unterschiedsempfindlichkeit für kleine, von einfachen Schalleindrücken begrenzte Zeitgröfsen ausgeführt sind, ermangeln wir doch noch vollständig einer begründeten Theorie über die psychologischen Grundlagen der Vergleichung solcher kleiner Zeiten. "Werden Ton-, Licht-, Temperatur- oder Druckempfindungen miteinander verglichen, so kennen wir wenigstens die zu vergleichenden psychischen Inhalte, und die Funktion des Vergleichens ist die alleinige Unbekannte. Ver¬ gleichen wir dagegen Raumstrecken oder Zeitintervalle, so können wir auf Grund der inneren Wahrnehmung nicht einmal die psychischen Inhalte näher bezeichnen, auf die wir uns bei der Vergleichung solcher Gröfsen stützen. Läfst sich daher schon bei den zuerst genannten Empfindungen infolge unserer Unbekanntschaft mit der Funktion des Vergleichens nicht mit Sicherheit angeben, welches Verfahren das zweckmäfsigste ist zur Untersuchung des Ganges der Unterschiedsempfindlichkeit, so mufs dies um so mehr der Fall sein bei den Gröfsen der zweiten Art. Es ist daher klar, dafs alle Untersuchungen über die Unterschiedsempfindlichkeit im Gebiete des Zeitsinnes einen Zeitschrift für Psychologie IV. 1