426 Litteraturbericht. Neben diesem mehr psychiatrischen Teile geht Snell auch auf die historische Entwickelung näher ein, und er sucht die Frage, wie es möglich gewesen, dafs sich der Hexenglaube, der doch zu allen Zeiten bestanden, zu einer bestimmten Zeit zu den Prozessen steigern konnte, deren Opfer in Europa nach Millionen zählten, durch das zielbewufste Vorgehen der Kirche zu erklären, jede ihr entgegentretende Macht und Richtung zu unterdrücken. Bis zum Christentum hatte man mehr den durch Zauberei ange¬ richteten Schaden, als diese selber bestraft, und auch die Kirche verharrte zunächst, trotz einzelner gegen die Zauberei erlassener Gesetze, im ganzen bei der gleichen Ansicht. Erst mit dem Siege der Kirche über die weltliche Macht (im 13. Jahrhundert) änderte sich die Sache, man drehte nun den Spiefs um und ging zunächst gegen die Ketzer vor, denen man allerlei Ver¬ brechen vorwarf, insbesondere Zauberei und Teufelsanbetung. Ketzerei aber war jede Opposition gegen den Klerus. Mit gewaltiger Tragik tritt diese Auslegung der Begriffe in dem Untergänge der Stedinger zu Tage. Die Stedinger hatten sich gegen die in nichts berechtigten Ansprüche des Erzbischofs von Bremen aufgelehnt und dieser den Beistand des Papstes angerufen. Gregor IX. erliefs darauf 1232 jene berüchtigte Bulle, worin er die Stedinger als Ketzer und dem Teufelskultus ergeben darstellt und die Christenheit zu ihrer Vernichtung auffordert, ein Geistesprodukt von einem so entsetzlichen Aberglauben, dafs es geradezu unfafsbar ist, wie Gregor an solchen Unsinn glauben konnte. Jedenfalls aber war der Unsinn von nun an kanonische Satzung, und jeder Christ zu dem Glauben verpflichtet, dafs alle Ketzerei, d. h. jeder Widerstand gegen kirchlichen Orthodoxismus und geistlichen Übermut aus einem mit dem Satan geschlossenen Pakt entstehe, und für die grundsätzliche Vermengung des Religiösen und Politischen wurde dadurch Sorge getragen, dafs noch in demselben Jahre die Reichsacht über alle Ketzer in Deutschland ausgesprochen wurde. Gleichzeitig übergab Gregor die Inquisition den Dominikanern und that damit auch den entscheidenden Schritt gegen die Zauberer, die man bisher im ganzen unbehelligt gelassen und mehr als Opfer des Bösen angesehen hatte. Von nun an war der Aberglaube für das Rechtsinstitut der Inqui¬ sition die unentbehrlichste Bedingung seines Bestehens. An die Stelle der Anklage trat die Denunziation, an die Stelle des Beweises die Folter, als Strafe Tod und Einziehung der Güter. Im Jahre 1274 loderten in Toulouse die ersten Scheiterhaufen auf, und die Dominikaner begannen ihre grausige Thätigkeit mit dem Ver¬ brennen einer Anzahl Weiber, weil sie den Hexensabbath besucht hatten. Aufser in den Sekten erwuchs der päpstlichen Macht ein anderer, nicht minder gefährlicher Gegner in dem Erwachen der wissenschaft¬ lichen Forschung, wie sie sich namentlich unter dem Einflüsse der arabischen Hochschulen verbreitete. Grund genug zum Einschreiten auch nach dieser Seite. — Innocenz VII. bedrohte in seiner Bulle vom