422 Litter aturberiehl. Bourdon einen bemerkenswerten Fortschritt auf dem Gebiete der Asso¬ ziation der Vorstellungen. M. Giessler (Erfurt). J. Payot. Comment la sensation devient idée. Revue philosophique. Bd. 31, (6. Juni 1891) S. 611—633. Das Problem wird zuerst im allgemeinen, sodann in spezieller Weise behandelt. Die Empfindung ist zuerst affektiver Natur. Sie erfüllt das Bewufst- sein vollständig und nimmt die ganze Aufmerksamkeit für sich in An¬ spruch. Aber allmählich werden die Reaktionen, welche die häufigsten Empfindungen begleiten, in eins zusammengefafst, sie vollziehen sich rascher, so rasch, dafs sie einem einfachen Zustande gleichkommen. Die Erregungen geschehen von jetzt an plötzlich, so dafs das Bewufstsein keine Zeit findet zu erscheinen, es entsteht der Reflex. Zwischen beiden Extremen liegen solche Reaktionen, welche zu ihrer Entwickelung einige Zeit in Anspruch nehmen, so dafs sie bewufst werden, ohne jedoch das Bewufstsein ganz zu erfüllen. Diese Zustände des Bewufstseins sind weniger umfassend, unbestimmt und durch das Gefühl gefärbt als viel¬ mehr gefühlsarm, bestimmt und deutlich abgegrenzt. Dadurch wird es uns möglich, Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen ihnen zu be¬ merken. Da die gewohnten Eindrücke weder Freude noch Schmerz in uns hervorrufen, so dient die Empfindung nur als Zeichen für etwas aufser uns. Infolgedessen wendet sich die Aufmerksamkeit nicht dem Gefühls¬ element zu, welches mit jeder Empfindung verknüpft ist, sondern sie richtet sich nach aufsen. Die Empfindungen werden aber sofort wieder affektiver Natur, sobald die durch sie veranlafsten Wahrnehmungen in Unordnung geraten. Die blitzartig im Bewufstsein erscheinende und sogleich wieder ver¬ schwindende Empfindung ruft zahlreiche Empfindungen von Unterschieden und Ähnlichkeiten mit früheren Empfindungen hervor. Diesen Beziehungen wendet sich die Aufmerksamkeit zu. Der Geist gerät nämlich durch das Auftauchen der verschiedenartigsten heterogenen Empfindungen in Verwirrung und sucht die entstandene Unordnung dadurch zu beseitigen, dafs er Beziehungen aufsucht, namentlich Beziehungen von Ähnlichkeit und Unähnlichkeit zwischen den Empfindungen, und endlich zwischen den Beziehungen selbst. Er klassifiziert sie und organisiert sie. (Diese Beziehungen aber sind die Vorstellungen.) Von dem Grade der Erfassung von Ähnlichkeiten und Unähnlichkeiten hängt der Grad der Abstraktion ab, wie er sich in den sprachlichen Bezeichnungen der einzelnen Völker kundgiebt. Tausendfache Eindrücke stürmen auf das neugeborene Kind ein. Erst allmählich erlangen die sich wiederholenden Eindrücke Bestand. Das Kind formt sie zu kleinen Komplexen. Es erfafst die Beziehungen zwischen diesen Komplexen, welche durch die Gewohnheit handlicher geworden sind. Es erkennt die Personen und Gegenstände seiner Um¬ gebung. Schon hier tritt die aktive Empfindung in den Hintergrund und zwar um so mehr, je gröfsere Gruppen von Beziehungen das Kind