346 Litteraturbericht. des vorliegenden Werkes folgt ihnen in diesen Bestrebungen, und zwar in einer den Anschauungen und Bezeichnungsweisen der Künstler von Beruf manchmal vielleicht noch besser sich anpassenden Torrn der Darstellung, als seine Vorgänger. Die Stellung, welche er als Endergebnis seiner Untersuchungen gegenüber der Kunst und den Aufgaben der Kunstphysiologie einnimmt, charakterisiert der Verfasser selbst am besten dadurch, dafs er dem ge¬ samten Werke den SßNECASchen Ausspruch: „Omnis ars naturae imitatio est“ als Motto vorsetzt. In Bezug auf manche Einzelheiten freilich kann der Referent mit dem Verfasser nicht übereinstimmen; vor allem aber möchte er wünschen, dafs die Bezeichnungen sich an vielen Stellen mehr dem allgemeinen Sprachgebrauche anschlössen; so wird z. B. niemand wissen, was er unter den Kapitelüberschriften „Das doppelte Lichtbad und die Lichtwage“ oder „Unterströmungen im verborgenen Gemerk“ zu verstehen hat, bevor er nicht die betreffenden Abschnitte selbst gelesen. Das ist eine unnötige Erschwerung für den Leser, welche bei den weniger tief Ein¬ dringenden leicht den Gesamteindruck des Werkes benachteiligen könnte. Die Ausstattung des Buches ist mustergültig. Abthür König. Ch. Henry. Harmonies de Formes et de Couleurs. Démonstrations pratiques avec le rapporteur esthétique et le cercle chromatique. Paris, Librairie A. Hermann, 1891. 65 S. Verfasser ist ein Mann von mancherlei Kenntnissen und auch von mancherlei eigenen Gedanken, aber die beiden scheinen bei ihm nicht den richtigen Umgang miteinander zu pflegen, und so produziert er in zahlreichen Publikationen höchst seltsame Dinge. Behufs kurzer Orien¬ tierung über ihn greife ich das vorliegende Schriftchen, einen Vortrag, heraus. Darin werden neben vielem Allbekannten einige Erfindungen mitgeteilt, vermittelst deren die Auffindung wohlgefälliger Paare von Farben oder von Lichthelligkeiten, sowie von wohlgefälligen Formen „auf streng mathematischer Basis“ ermöglicht werden soll. Das Verständnis des Einzelnen ist ohne die Demonstrationen, auf die sich der Vortrag bezieht, nicht leicht; über den Wert wird nach einem Beispiel niemandem ein Zweifel sein. Das Rezept für die Auffindung von angenehm wirkenden Helligkeitspaaren lautet so (falls ich es richtig verstehe, was nicht ganz sicher ist). Man erhebe (oder z/s) auf eine Potenz, deren Exponent entweder selbst eine Potenz von 2 ist, oder eine Primzahl gleich 1 plus einer Potenz von 2, oder endlich ein Produkt einer Potenz von 2 mit einer der vorbeschriebenen „rhythmischen“ Zahlen. Die gefundene Zahl dividiere man noch so oft durch 2 (oder multipliziere sie mit 2), bis das Resultat zwischen 1 und 2 fällt, dann wird ein Licht von der Intensität der zuletzt gewonnenen Zahl neben einem Licht von der Intensität 1 einen angenehmen Eindruck machen. Vermittelst der „rhythmischen Zahlen“ kann man dann auch gleich alle möglichen harmo¬ nischen Farbenpaare auffinden; man braucht dazu nur noch eine von Henky entsprechend konstruierte und auch bereits publizierte Farben-