184 G. Sergi. frischer Reizung konstatiert ist (Richet). Diese Phänomene treten hingegen ein, wenn man die Tastempfindung in Druck¬ empfindung umgewandelt hat, wenn man nämlich durch Druck eine abgestumpfte Spitze in die Hautoberfläche eindringen läfst, und wenn also ein breiter, über eine grofse Oberfläche ausgedehnter Reiz von speziellem Charakter vorliegt. 5. Es scheint, dafs für Tastreize jenes primäre Stadium einer mehr oder weniger langen Entwicklung, wie man es z. B. als Anklingen der Gesichtsempfindungen kennt, nicht vorhanden ist. Vielmehr scheint es, dafs ein Reiz von rein mechanischem Charakter hier den Effekt unmittelbar hervor¬ bringt, und dafs, wenn er ihn nicht im ersten Augenblick hervor¬ bringt, überhaupt gar kein Nutzeffekt zu stände kommt. So würde auch das Fehlen der Nachdauer, abgesehen von der Schwäche der Reizung, noch durch die Abwesenheit eines Entwicklungsstadiums in den Endorganen der Tastnerven er¬ klärlich werden. Wenn aber doch eine Art Anklingen im Spiele ist, so kann es nur eine geradezu unmefsbare Zeitdauer in Anspruch nehmen, da man eine Reihe von Empfindungen noch bei einem Intervall von Viooo Sekunde wahrnehmen kann. 6. Auf der Schleimhaut der Eichel giebt es keine Em¬ pfindung von rein taktilem Charakter, wie sie sich auf der übrigen Haut findet.1 1 Diese meine Beobachtungen waren im Druck, als ich von den Versuchen von Rumpf und Schwaner in Marburg erfuhr, welche zu klinischen Zwecken mit der Stimmgabel-Methode angestellt wurden. Ich habe sogleich von den Versuchen Schwaners (die Prüfung der Haut- sensibilität vermittelst Stimmgabeln bei Gesunden und Kranken, Mar¬ burg, 1890) Kenntnis nehmen können und habe gefunden, dafs sie mir zu einer Abänderung meiner Schlüsse keinen Anlafs geben.