Wundts Antikritik. Von C. Stumpf. Meine Kritik der LoitENZschen Versuche über Tondistanz¬ vergleichungen und des darauf bezüglichen Abschnittes von Wundts Physiologischer Psychologie1 hat Letzteren zu einer Antikritik veranlafst2, welche in allen Punkten auf Verdrehungen und Unterstellungen beruht, den Kern des Angriffes unberührt läfst, dagegen von Insulten auf meine wissenschaftlichen Fähig¬ keiten strotzt. Gegen diese bin ich unempfindlich. Ich fürchte auch nicht, dafs ein einziger unbefangener Leser sich durch das Pathos der Rede und die Mafslosigkeit der Anschuldigungen anders als ungünstig für die so vertretene Sache stimmen läfst. Aber nachdem der Streit um eine an sich den Meisten ferner¬ liegende Spezialfrage eine allgemeinere Bedeutung dadurch erlangt hat, dafs die Prinzipien wissenschaftlicher Arbeit über¬ haupt daran illustriert werden sollen, so darf ich wohl das Interesse der Leser für den Erweis meiner oben gegebenen Charakteristik in Anspruch nehmen. Kern der Sache. Der Mittelpunkt meiner Ausführungen war der Nachweis, dafs in allen Versuchsreihen, worin ein Ton mit unverkenn¬ barer Bestimmtheit als Mitte zwischen zwei anderen bezeichnet wurde, dieses ein durch die musikalischen Gewohnheiten bevor¬ zugter Ton war, und dafs die gröfsere Bestimmtheit des Urteils sich bei den musikalischeren Beobachtern vorfand. Hieraus 1 S. diese Zeitschrift, Bd. I, S. 419—462. 2 Philosophische Studien, Bd. VI, S. 605—640.