238 Lit fera turberich t. Feder des Ergographen die Verlängerung des Muskels aufschrieb, da fs während der Addition von 3 vorgehaltenen Ziffern die Verlängerung des Muskels beinahe null wurde, ja mitunter eine Verkürzung des Muskels sich zeigte, während vor der geistigen Operation eine sehr schnelle Ver¬ längerung des Muskels stattgefunden hatte. Dafs der Spannungszustand des Muskels bedeutungsvoll für die Auf¬ merksamkeit ist, beweist E. weiter durch einfache Eeaktionsversuche, die er bei verschiedenen Körperstellungen ausführen liefs. Im Stehen und Sitzen zeigten sich dabei kürzere Eeaktionszeiten als in Kückenlage. Ist somit eine allgemeine Erhöhung der motorischen Thätigkeit als die physiologische Unterlage der Aufmerksamkeit zu denken, so hat die Hypothese von Hemmungsthätigkeiten dabei Unrecht. Dafs bei einer in bestimmter Weise lokalisierten Aufmerksamkeit andre Thätigkeiten zurücktreten, erklärt Verfasser als eine Anwendung des Gesetzes vom Gleichgewicht der Kräfte. Jede Herabsetzung der Muskelkraft (durch Ermüdung, Krankheit) bedeutet eine Verminderung der Aufmerksamkeit. Die physiologischen Schwankungen derselben sind bedingt durch die¬ jenigen der Muskelkräfte. So wie die Ausführung von Bewegungen wird auch ihre Hemmung durch eine vorherige Muskelthätigkeit unterstützt. Dies Vorhandensein einer vorherigen Muskelspannung begünstigt auch die Genauigkeit einer Bewegung. Da nun F. beobachtet zu haben glaubt, dafs die Aufmerksamkeit die gleichen Wirkungen auf die Bewegungs¬ vorgänge ausübt, so schliefst er: es giebt eine allgemeine Muskelspan¬ nung, welche die physiologische Bedingung des Vorgangs der Aufmerk¬ samkeit darzustellen scheint. Diese Muskelthätigkeit fällt zusammen mit anderen, bereits beobachteten, z. B. der Sekretion der Speicheldrüsen bei Aufmerksamkeit auf Geschmacksempfindungen, der Volumenzunahme bei Eichtung der Aufmerksamkeit auf ein Glied u. dergl. m. So interessant obige Versuche Fékés sind, so bleibt doch ihr Wert so lange ein recht geringer, als nicht der Verfasser der kurzen Angabe der erzielten Eesultate eine genaue Aufstellung der einzelnen Versuchs¬ ergebnisse beifügt. Erst dann wird sich urteilen lassen, in wie weit Fehlerquellen vermieden sind und eine richtige Deutung der Versuche stattgefunden hat. A. Pilzecker (Göttingen). Th. Tissié. Les rêves. Physiologie et Pathologie. Paris, Alcan, 1890. 214 S. Der erste Teil: „Entstehung der Träume“ besteht in einer reichen Sammlung von Träumen, unter Angabe ihrer vermutlichen Entstehungs¬ ursachen. Das Material entstammt teils eigenen Erlebnissen des Ver¬ fassers, teils Beobachtungen an Gesunden und Kranken, ist teils den Berichten anderer Autoren entnommen. Zunächst werden die Träume im physiologischen Schlaf abge¬ handelt. Verfasser unterscheidet diejenigen sensoriellen Ursprungs von denen psychischen Ursprungs. Da er oben den Grundsatz aufstellt, dafs alle Träume von einem Sinneseindruck entspringen, so hätte er entweder die Eubrik „rêves d’origine psychique“ und die Abtrennung des in ihr Enthaltenen fallen lassen, oder mindestens präcisieren müssen, in welchem