210 Idtteraturbericht Gehirn, 2. Annahme derselben und 3. Verwirklichung derselben, und zwar so, dafs auch der Versuch der Realisation von seiten des In¬ dividuums schon für den Begriff der Suggestion genügt. Die Auffassung des Somnambulismus (somnambulisme provoqué) als eines hypnotischen Zustandes mit mehr oder weniger voll¬ kommener Amnesie nach dem Erwachen (Bernheim) ist wohl all¬ gemein anerkannt. Ochorowicz brachte die Frage der hypnotischen Empfäng¬ lichkeit zur Diskussion. Das ganze Thema, welches einen enormen Umfang hat, konnte natürlich nicht besprochen werden. Besonders interessierte die Frage, ob Hypnotisierbar keit und hysterischer (neuropathischer) Zustand insoweit identisch wären, dafs der eine Zustand den andern in sich schliefse und umgekehrt. Die Frage wurde besonders in Anbetracht der reichen gegenteiligen Erfahrungen, die Bernheim zur Geltung brachte, allgemein verneint. — Die Hypnotisier¬ bar keit, so liefs sich die Ansicht des Kongresses weiter vernehmen, ist nur wenig geknüpft an die Individualität der Rasse, und sie hängt ebensosehr ab von dem Geschick und der Übung des Hypnotiseurs wie von der allgemeinen und sogar auch augenblicklichen Stimmung des Individuums. — Die Bedeutung des von Ochorowicz demonstrierten Hypnoskops, eines ringförmigen Magneten, zur Erkennung der Hy pnotisierbarkeit durch gewisse an dem betr. Individuum aus¬ gelöste motorische und sensible Reizerscheinungen wird von Delboeuf u. a. mit Recht angezweifelt. Aus andern von Mme. Sidgwick (London), Ch. Richet , Myers (London) u. a. geäufserten Erfahrungen scheint un¬ zweifelhaft hervorzugehen, dafs gerade die Individualität des Hypnoti¬ seurs eine ungemein wichtige Rolle spielt. Von Ochorowicz wurde ferner die Frage aufgeworfen, ob alle Er¬ scheinungen des hypnotischen Zustandes allein als durch Suggestion hervorgerufen erklärt werden könnten. Ochorowicz stellte sich auf den Standpunkt, dafs eine rein physi¬ kalische Mafsnahme (z. B. Auflegen der Hände auf den Kopf u. s. w.) Hypnose herbeiführe, er betonte auch die Thatsache, dafs sich als Folge einer Hypnose häufig Zustände einstellen, die der Hypnotisierende durchaus nicht hervorzurufen beabsichtigt hatte, z. B. später Schlaf — — bei vorausgegangener Schlaflosigkeit — nach einer Hypnose, in der nur die Suggestion gegeben war, dafs eine Neuralgie oder dergl. ver¬ schwinden solle. Bernheim dagegen meinte — und Forel stimmte ihm bei—, dafs zwischen die physikalische Einwirkung und den in der eingetretenen Hypnose, dem Aufhören von Schmerzen u. s. w. sich äufsernden Erfolg ein psychischer Vorgang trete, welcher die Vermittelung zwischen beiden übernehme; an jede physische Einwirkung, meint er, knüpfe sich zuerst eine Idee bei dem beeinflufsten Individuum (Autosuggestion), durch welche dann erst weitere Wirkungen ausgelöst würden. In einer andern Sitzung präzisierte Babinski auf Ersuchen des Prä¬ sidenten die Lehren der CHARCOTschen Schule : Die wichtige Rolle der Suggestion wird anerkannt, aber die Unabhängigkeit gewisser hypnotischer Zustände, wie der 3 Stadien des grand hypnotisme, von der Suggestion