Idüeraturiericht. 227 der dritte die Ursachen des Irreseins. Die Einteilung der Irreseinsformen, deren Beschreibung der vierte Abschnitt gewidmet ist, lehnt sich an v. Krafft-Ebing und an Mendel an, und wenn sich auch über Einzelnes, wie die Auffassung der melancholischen Tobsucht, die Stellung der sekundären Paranoia Meinungsverschiedenheiten unter den Fachgenossen finden möchten, so kann man doch der Gesamteinteilung zustimmen und man mufs anerkennen, dafs Verfasser dem Bestreben, knappe und klare Bilder zu zeichnen, vollauf gerecht geworden ist. Es werden folgende Formen aufgestellt: angeborene oder in frühester Kindheit erworbene Entwickelungshemmungen des Gehirns (Idiotismus, Kretinismus, mora¬ lisches Irresein), Psychoneurosen (primärer Blödsinn, akute hallucina- torische Verworrenheit, Melancholie, Manie, Tobsucht, sekundäre Schwäche¬ zustände, Paranoia, periodisches Irresein), Geisteskrankheiten, die mit centralen Neurosen (Epilepsie, Hysterie, Hypochondrie, Chorea) ver¬ bunden sind, Vergiftungspsychosen (alkoholistisches Irresein, Morphinis¬ mus, Irresein durch Bleivergiftung) und schliefslich organische Geistes¬ krankheiten (akutes Delirium, Irresein der Greise, Paralyse, luetisches Irresein, traumatisches Irresein nebst Rail-way-spine, Irresein bei der multiplen Sklerose und Irresein bei Neubildungen im Gehirn). Jedem, der sich über den jetzigen Stand der Irrenheilkunde in¬ formieren will, kann das klar geschriebene und gut ausgestattete Buch bestens empfohlen werden. Peretti (Bonn). Th. Meynert. Amentia, die Verwirrtheit. Jahrbücher für Psychiatrie, Bd. IX. 1890, S. 1-112. Unter dem Namen „Amentia, die Verwirrtheit“, schildert M. ein Krankheitsbild, in welchem sich der Mangel von Verbindung der Sym¬ ptome untereinander, der Mangel von Verbindung der äufseren "Wahrneh¬ mungen, ein in weit auseinanderliegenden Abstufungen gänzlicher oder teilweiser Ausfall der Associationsleistung, der Koordination der Rindenbilder, der Gedankengänge geltend macht. Die Verwirrtheit, wie sie aus diesem Associationsmangel resultiert, wird am besten durch das Wort Amentia (Geistesmangel) ausgedrückt und ist wohl zu unterscheiden von der Dementia, dem Blödsinn, bei welchem trotz des Mangels der Associationen das Bewufstsein weniger, als bei der Verwirrtheit getrübt ist, und von der Betäubung, bei der die Wahrnehmungen herabgesetzt sind, während der Verwirrte die Wahrnehmungen hat, aber sie nicht versteht. Neben dem Zerfall der Associationsanordnung ist als weiteres Grundsympton der Verwirrtheit die Illusion anzuführen, welche, da sich Ausdruck, Benennung und Wahrnehmung nicht mehr decken, eine tiefere kortikale Störung, als die Hallucination bedingt und ihrer Ähn¬ lichkeit mit der Suggestion in der Hypnose wegen als unbegrenzte Selbsteinredung bezeichnet werden kann. Es ist hier nicht der Ort, die klinischen Auseinandersetzungen des Verfassers, welcher der Verwirrtheit eine Reihe von bisher bei ver¬ schiedenen anderen Formen beschriebenen Krankheitsbildern zuweist, bis in ihre Einzelheiten zu verfolgen, wenn schon für den Fachpsychiater der anregenden und zweifellos auch fruchtbringenden Gedanken viele