154 Litteraturberkht. E. Mendel. Der Hypnotismus. Sammlung gemeinverst. tviss. Vortr. v. Virchow h. Wattenbach. Heft 93, 1890 (38 S.). M. 0,80. Ein einleitender historischer Überblick ergiebt dem Verfasser fol¬ gendes : Die heute als „Hypnotismus“ bezeichneten Erscheinungen waren den Menschen seit Urzeiten bekannt. Die Methode des „Anstarrens“ wurde schon von den alten Aegyptern geübt. Selbst die „Suggestion“ der Nancyer hat ihre Vorgängerin in dem „Dormez“ des Abbé de Faeia (1819). Von jeher wurden die Erscheinungen zu Wunderkuren und zu Gunsten eines religiösen Mysticismus benutzt, von jeher von Schwindlern zu ihrem Vorteil ausgebeutet. Ebenso aber haben stets wissenschaftliche Kommissionen die Haltlosigkeit der mystischen Verwertung der Phäno¬ mene und die Beimischung offenbaren Betruges konstatiert. Zu der heutigen Bewegung nimmt Verfasser folgendermafsen Stel¬ lung: Von den neueren Untersuchungen dieses Gegenstandes haben wissen¬ schaftlichen Wert nur die Charcots, seiner Schule und einiger deutscher an jene sich anschliefsender Forscher. Die Nancyer Gegner sind durch Leichtgläubigkeit und Kritiklosigkeit argen Täuschungen verfallen, so¬ wohl in der Annahme unglaublichster Wunder, wie durch ihr excen¬ trisches Vertrauen zu der Heil- und Erziehungskraft des Hypnotismus.. Unzweifelhaft ist, dafs sich durch Fixierung und Suggestion Zu¬ stände der Anästhesie, Katalepsie, Sinnestäuschungen, Nachahmungsbe¬ wegungen u. s. w. erzielen lassen. Sie charakterisieren sich wesentlich als Zustände krankhaft gesteigerter Einbildungskraft, was aber keine Erklärung ist, wie überhaupt eine solche bisher fehlt. Die Erscheinungen sind nur bei nervösen, meist hysterischen Personen hervorzurufen, und sind als akute Geisteskrankheit aufzufassen. Nur eine beschränkte Gruppe von Krankheitserscheinungen läfst sich durch Hypnose beseitigen, meist gelingt es nur Symptome zu entfernen. Wiederholtes Hypnotisieren wirkt andrerseits häufig durchaus schädi¬ gend auf das Nervensystem. Den Mitteilungen der „Enthusiasten“ ist daher mit gröfster Vor¬ sicht und kritischer Zurückhaltung zu begegnen. Vor ausgedehnter leichtfertiger therapeutischer Verwendung der Hypnose ist als geradezu unheilstiftend aufs dringendste zu warnen. Liepmann (Berlin).