Litter aturbericht. 359 sind, und mit A. Lehmann (Überdas Wiederkennen, Phil. Stud. V.), welcher auf experimentalem Wege dieselbe Annahme widerlegen zu können ge¬ glaubt hat. Gegen den letzteren hebt Verfasser insbesondere hervor, dafs es unmöglich sei, durch Versuche, die doch stets unter gewissen bestimmten Verhältnissen stattfinden müfsten, den Beweis zu führen, dafs das Wiederkennen unter anderen Verhältnissen nicht auch auf andere Weise stattfinden könne. Der zweite Abschnitt sucht nachzuweisen, dafs die Berührungs¬ association ein unmittelbares Wiederkennen voraussetzt. Wenn eine gewisse Anzahl von Malen die Empfindung bezw. der Empfindungs¬ komplex B auf die Empfindung bezw. den Empfindungskomplex A im Bewufstsein gefolgt sei und es werde nun beim Eintreten von A wieder B reproduziert, so könne dies nur durch die Annahme erklärt werden, dafs bei häufiger Wiederholung im Bewufstsein und Hirn eine gewisse Disposition oder Tendenz zurückhleibe, die sich auslösen lasse, ohne dafs die Erscheinung selbst gegeben zu sein brauche. Da nun aber A ebenso oft als B wiederholt sei, so müsse dieselbe Disposition, die hin¬ sichtlich B stattfinde, auch hinsichtlich A stattfinden, und diese Dis¬ position müsse natürlich beim Eintreten von A noch in weit höherem Mafse erregt werden, als die auf B bezügliche Disposition. Der dritte Abschnitt wendet sich gegen die Versuche, alle Ähnlich¬ keitsassociation auf Berührungsassociation zurückzuführen. Die Annahme, dafs alle einander ähnlichen Erscheinungen wenigstens ein Element ge¬ meinsam hätten, und dafs dieses Element die Association vermittle, lasse sich nicht aufrecht halten, da z. B. die verschiedenen Nuancen des Rot kein gemeinsames Element haben könnten. Die andere Annahme, dafs das Wort, die gemeinschaftliche Bezeichnung, als Mittelglied zwischen zwei verwandten Vorstellungen diene, reiche auch nicht immer zur Er¬ klärung aus. Denn wenn man z. B. auch annehmen wolle, dafs die Wortvorstellung Feldherr die Vorstellung von Napoleon und die Vor¬ stellung von Alexander zusammenknüpfe, so sei doch zu bedenken, dafs das Wort Feldherr gebildet sei, um solche Menschen wie Napoleon und Alexander zu bezeichnen, und dafs daher diese Berührungsassociation vorhergehende primäre Bewufstseinsthätigkeit voraussetze, durch welche Napoleon und Alexander (oder ähnliche Männer) zum erstenmale zu¬ sammengestellt seien. Schliefslich sucht dann der Verfasser noch nach¬ zuweisen, dafs die Ähnlichkeitsassociation nicht unerklärlicher sei als die Berührungsassociation und entwickelt eine psychophysische Hypo¬ these zur Erklärung derselben. Schumann (Göttingen). Binet, A. Recherches sur les mouvements chez quelques jeunes enfants. Berne philos. 1890. No. 3. S. 297—309. Binet macht zunächst bezüglich des Beginns der Gehversuche da¬ rauf aufmerksam und erläutert eingehend an einem Beispiel, wie sehr hier Erziehung, Charakterdifferenzen und die verschiedensten äufseren Einflüsse von Belang sind. Sicher aber sei, dafs — wofür auch Preyer in seiner „Seele des Kindes“ eintritt — der Instinkt die Quelle der ersten Gehversuche ist. Verfasser hatte mehrfach Gelegenheit, zu beo-