Litteraturbericht. 345 An nicht geblendeten Olmen beträgt die Reaktionszeit für verschie¬ dene Farben folgende Sekundenzahlen: Uebergang von Schwarz in Violett 26, in Blau 23, in Roth 16, in Grün 13, in Gelb 10,5. Dubois glaubt, diesen Zahlen keine Beziehungen zur Beleuchtungsintensität beimessen zu sollen. Doch teilt er des weiteren mit, dafs die Olme die Farben in folgender Reihenfolge vorziehen : schwarz, roth, gelb, grün, violett, blau. Referent glaubt, bei der Schwierigkeit, Farblösungen oder Gläser von gleicher Absorption der Lichtmenge herzustellen, dafs obige Zahlen doch von der Beleuchtungsintensität herrühren dürften. Burckhardt (Berlin). 0. Stumpf. Tonpsychologie. II. Band. XIII u. 582 S. Leipzig 1890, Hirzel. Preis M. 12. (Selbstanzeige.) Auf Wunsch der Redaktion gebe ich im Folgenden eine Übersicht der wesentlichsten Untersuchungen und Ergebnisse dieses zweiten Bandes meiner Tonpsychologie. Der erste hatte die Urteilserscheinungen bei aufeinanderfolgenden (oder isolierten) Tönen zum Gegenstand, dieser untersucht sie bei gleichzeitigen Tönen. In beiden ist aber von der Auffassung der Töne als Konsonanzen, Dissonanzen, Intervalle, Akkorde, Melodien, also von eigentlich musikalischen Auffassungen noch abgesehen. Diese sollen den Gegenstand des dritten, die Tongefühle endlich den des vierten Bandes bilden. Den Ausgangspunkt und zugleich den Mittelpunkt des vorliegenden Bandes bildet die Frage nach der Möglichkeit und den Bedingungen des gleichzeitigen Hörens mehrerer Töne. Drei Meinungen stehen sich gegenüber (§ 16) : die gewöhnliche (Mehrheitslehre), wonach wir mehrere Töne streng gleichzeitig hören können; die Wettstreitslehre, wonach die Gleichzeitigkeit Täuschung ist und in Wahrheit ein rascher Wechsel der Töne in der Empfindung stattfindet; und die Einheitslehre, wonach die Mehrheit Täuschung ist und wir in Wahrheit die allezeit streng einfache Empfindung nur auf eine Mehrheit objektiver Töne beziehen. Alle drei Ansichten involvieren Schwierigkeiten. Aber die Schwierigkeiten der beiden letzten scheinen mir unüberwindlich, die der ersten nicht (§ 17). Diese liegen hauptsächlich darin, dafs erstens gleichzeitige Töne sich im Bewufstsein räumlich durchdringen müfsten, während Empfindungen anderer Sinne nur unter der Bedingung gleichzeitig sein können, dafs sie räumlich aufser einander sind; dafs zweitens gleichzeitige Töne schwerer unterscheidbar sind als aufeinanderfolgende, während doch zwei Empfindungen im allgemeinen um so leichter in irgend einer Be¬ ziehung beurteilt werden, je mehr sie sich in allen anderen Beziehungen gleich (hier also gleichzeitig) werden. Die erste Schwierigkeit scheint mir indessen nicht auf einem zwingenden, a priori einleuchtenden Prinzip zu beruhen, sondern nur auf der Analogie anderer Sinne, welche uns auch sonst vielfach im Stich läfst (kein Kontrast im Tongebiet, keine mefsbare Ausdehnung der Töne u. s. f.). Man mufs jeden Sinn zunächst nach seinem eigenen Recht richten. Es schliefst sich hieran ein Exkurs über die räumlichen