Litteraturbericht. 125 nach Überwindung eines Reizstadiums, genau dieselben Bewegungen aus die sie im Zusammenhänge mit dem Körper ausführten; dasselbe gilt auch für Bewegungen infolge von Reizung. Aus diesen Resultaten zieht Verfasser den Schlufs, dafs jedes Protoplasmateilchen selbständiges Cen¬ trum für die in ihm auftretenden Seelenerscheinungen sei, und dafs alle Bewegungen des Tieres Resultat dieser Elementarbewegungen seien; das Problem der rhythmisch schlagenden Wimpern, welches dieser Hypothese zu widersprechen scheint, findet seine Erklärung in der Annahme eines Peristomwimpermechanismus. Auf Grund obiger Hypothese und des dieselbe ergänzenden Zu¬ satzes, dafs die Bewegung jedes Protoplasmateilchens Ausdruck der in ihm stattfindenden Prozesse sei, wird sodann die ganze Lebenstliätigkeit des Protozoons als Konsequenz der Stoffwechseivorgänge abgeleitet und die Ansicht bekämpft, dafs eine Psyche notwendig an die Existenz eines morphologisch differenzierten Nervensystems gebunden sei. Dafs endlich Verfasser die letzten Ursachen primitiver psychischer Vorgänge in die Eigenschaften der jedes Plasmaelementarteilchen konstituierenden Mole¬ küle verlegt und dadurch die Schranken zwischen anorganischer und organischer Natur niederzureifsen sucht, kann also nicht mehr verwun¬ dern, für ihn giebt es auch nicht mehr Elementarerkenntnis und Ele¬ mentarwillensvorgänge, sondern nur einen psychischen Elementarprozefs, nämlich die Umsetzung der Erkenntnis in Willen. Den Schlufs des Buches bildet eine Übersicht über die Entwickelung des psychischen Lebens im Protistenreich, welche mit der morphologischen Entwickelung Hand in Hand geht. Bürckhardt (Berlin). J. Loeb. Der Heliotropismus der Tiere und seine Übereinstimmung mit dem Heliotropismus der Pflanzen, gr. 8°. IV u. 118 S. Würzburg 1890. il. 4. Der Verfasser hat es sich zur Aufgabe gemacht, für die Abhängig¬ keit der tierischen Bewegungen vom Licht in der gleichen Weise Gesetze zu finden, wie sie die moderne Pflanzenphysiologie für die Bewegung der Pflanzen festgestellt hat. Durch zahlreiche Arbeiten der Pflanzenphy¬ siologen ist bekannt, dafs die Stellungnahme der Pflanzen zum Licht, der sogenannte Heliotropismus, abhängig ist von zwei Faktoren, einerseits von der Richtung der Lichtstrahlen und andererseits von der Wellen¬ länge derselben, indem hauptsächlich die kurzwelligen, also die stärker brechbaren Strahlen von gewisser Intensität heliotropisch wirksam sind. Innerhalb des Lichts von bestimmter Wellenlänge stellen die Pflanzen von radiärem Bau ihre Längsaxe in die Richtung der Strahlen ein, während alle Pflanzen oder Organe von dorsiventralem Bau ihre Fläche senkrecht gegen die Strahlenrichtung einstellen. Freibewegliche Schwärm- sporen schwimmen demzufolge in der Richtung der Strahlen entweder der Lichtquelle zu, sind also positiv heliotropisch oder von ihr weg, sind also negativ heliotropisch. Verfasser hat nun in einer grofsen Anzahl sehr interessanter Ver¬ suche, die fast ausschliefslicli an Insekten ausgeführt wurden, den Nach¬ weis geführt, dafs dieselben Faktoren, welche die Bewegung der Pflanzen beimHeliotropismus beeinflussen, auch auf die der Tiere bestimmend wirken.