Besprechungen. 199 den in anderen G-ebieten der Physiologie und Psychologie auftretenden ähnlichen Schwankungserscheinungen stehen, jetzt schon gefällt werden könnte. G. E. Müller (Göttingen). H. Münsterberg. Beiträge zur experimentellen Psychologie. Heft 3. Neue Grundlegung der Psychophysik. 122 S. Freiburg i. B. 1890, Akad. Verlagsbuchhandlung von I. C. B. Mohr. Preis Mi. 3.— Das Heft ist zerlegt in drei inhaltlich eng zusammenhängende Teile : I. Theorie der Empfindungsmessung, II. Neue Versuche, III. Das psycho¬ physische Gesetz. M. erörtert zunächst die Frage, ob Empfindungen gemessen werden können. In den Angriffen eines Boas, von Kries, Stadler, F. A. Müller, Zeller, Elsass gegen die Mefsbarkeit der Empfindungen findet M. den richtigen Grundgedanken, „dafs die starke Empfindung für unser Bewufst- sein nicht das Multiplum einer schwachen Empfindung ist, dafs die starke Empfindung psychologisch nicht aus schwachen zusammengesetzt ist, vielleicht etwas ganz Neues, in gewissem Grade unvergleichbar ist, so dafs einen mefsbaren Unterschied zwischen starken und schwachen Schall¬ empfindungen oder Lichtempfindungen oder Temperaturen u. s. w. zu suchen, zunächst nicht mehr Sinn hat, als den Unterschied zwischen salzig und sauer oder zwischen Kopfschmerz und Zahnschmerz mathe¬ matisch berechnen zu wollen.“ (S. 3). Die starken und schwachen Empfindungen sind „zwei ganz verschiedene Bewufstseinsinhalte, von denen wir zunächst nichts anderes aussagen können, als dafs sie ver¬ schieden, d. h. nicht identisch sind.“ Setzt man die Verschiedenheit eines Empfindungspaares gleich der eines andern, so wird eine Eigen¬ schaft der physischen Gröfsen auf das psychische Gebiet in ungerecht¬ fertigter Weise übertragen. (S. 5). Intensitätsunterschiede sind Qualitäts¬ unterschiede. (S. 6. 25). Eine quantitative (intensive) Unterscheidung giebt es nicht. Was ist denn dann aher die Intensität der Empfindungen? M. ant¬ wortet, dafs Qualität und Intensität nicht zwei besondere Eigenschaften (Seiten) der einen Empfindung sind, sondern nur die Bichtungen be¬ zeichnen, in welchen die eine Empfindung mit anderen Empfindungen verglichen werden kann (S. 10). Der Grund der Unterscheidung (Ein¬ ordnung in der intensiven Bichtung) mufs dann anderswo als in der Empfindung selbst gesucht werden (S. 12). Denn auch die Erfahrung, dafs die Beizverstärkungen und -Verminderungen intensive Unterschiede begründen, reicht zur Erklärung nicht aus, weil umgekehrt erst die Empfindungsunterscheidung jene Erfahrung ermöglicht (S. 13). Ein accessorisches Moment also, das zu der ßeizwahrnehmung hinzutritt, mufs die Ursache sein (S. 13). Dies accessorische Moment (es besteht natürlich in Muskelempfindungen) macht die sonst nur qualitativ ver¬ schiedenen Empfindungen aber nicht blofs nach ihrer Intensität unter¬ scheidbar, sondern auch mefsbar. Worauf beruht denn überhaupt die Möglichkeit irgend einer Messung? Alle physikalische Messung beruht, so nimmt M. mit von Kries an, auf