Littera lurbericht. 233 mystischen G rundan schau irrigen, die ihm die Kraft verleihen, und seine Begeisterung schöpft er aus dem direkten Verkehre mit seinem Gotte, der sich ihm offenbart. Daher die wirkliche Begeisterung für den reinen Glauben, die ihn wenigstens zur Zeit seines Aufenthaltes in Mekka be¬ herrschte und die seiner Sprache den poetischen Schwung und die Kraft verlieh. Späterhin, in Medina, trat eine andre Aufgabe an ihn heran. Er war nicht mehr blofs der Bote Allahs, der den reinen Glauben verkündet, er war auch Gesetzgeber, Krieger und Politiker geworden, und der Koran wird zum Gesetzbuch, die poetische Sprache der ersten Periode wird zur praktischen Prosa, die kurze Sure zur längeren Verordnung. Dafs damit auch die Begeisterung mehr und mehr nachliefs, die ihn während der Zeit des Bingens getragen, ist erklärlich, deshalb aber die Überzeugung, er sei ein Bote Allahs, für die Wahnidee eines Verrückten zu erklären, der nach einer vierjährigen Krankheit genesen sei, scheint mir doch etwas bedenklich. Von den krampfartigen Anfällen wissen wir zu wenig; auch in Be¬ zug auf sie möchte ich eine epileptische Grundlage ablehnen. Ekstatische Zustände, das, was man früher „Verzückungen“ nannte, sind bei christ¬ lichen Heiligen eine so gang und gäbe Erscheinung, dafs man sie auch Mohammed zu gute halten und nicht sofort als Epilepsie ztf- rechnen sollte. Um auf die vorliegende kleine Schrift zurückzukommen, so kann ich mein Urteil nur wiederholen, dafs sie nicht eigentlich gehalten, was sie versprochen, nämlich eine „psychologische Studie“ zu sein. , Pelman. A. Biach. Aristoteles, Lehre von der sinnlichen Erkenntnis und ihrer Abhängigkeit von Plato. Philos. Monatsheft. 1890, Bd. XXVI. Heft 5 u. 6. Zweck der Abhandlung ist der Nachweis, dafs Aristoteles’ Lehre von der sinnlichen Erkenntnis in allen Hauptpunkten von Plato abhängig sei. Dies darzulegen, mag in der gröfseren nicht publizirten Schrift, von der dieser Aufsatz (vgl. S. 5) ein umgearbeiteter Teil ist, versucht worden sein. Hier kommt nach einer sehr summarischen Vergleichung der allgemeinen aristotelischen und platonischen). Bestimmungen über die Empfindung eigentlich nur noch das „Gedächtnis“ ausführlicher zur Sprache. Denn der dritte Abschnitt über die Phantasie behandelt von dieser nur die „Erscheinnngen, welche wir mit dem Worte Phantasie verknüpfen“. Wenn diese Gegenüberstellungen auch nicht ohne Wert sind, so wird doch niemand behaupten wollen, dafs mit dem hier Gege¬ benen das unwahrscheinliche Besultat erbracht werden könne, „dafs A. auch in der Lehre von der sinnlichen Erkenntnis, trotzdem er einige Punkte genauer ausführt, vollkommen auf den Schultern Platos stehe.“ Hierzu müfsten doch wohl erstens die keineswegs nur in Äufserlich- keiten voneinander abweichenden Erklärungen der einzelnen Sinne wissenschaftlich verglichen sein und vor allem müfste der Verfasser sich mit den fundamentalen Verschiedenheiten der beiderseitigen psycholo-