Uber die kleinsten wahrnehmbaren Gesichtswinkel. 157 einander zu vergleichen, Versuche, die bis dahin im reinen spektralen monochromatischen Lichte noch nicht ausgeführt worden waren. Die Prüfung mit den früher benutzten Snellen- schen Haken schien für diesen speciellen Zweck nicht ganz auszureichen. Nach Vorschlag von Prof. Koenig, der mich auch bei diesen Versuchen in gütigster Weise unterstützte, wurde von dem Mechaniker Noehden im physikalischen Institut ein ganz feines Drahtgitter angefertigt, in welchem die einzelnen feinen Drähte genau um ihre Dicke auseinander standen. Es wurde dies in der Weise erreicht, dafs 2 ganz gleich starke Drähte nebeneinander aufgewickelt wurden, worauf dann später der eine wieder abgerollt ward. Die Messung mit der Teilmaschine, welche Prof. Koenig ausführte, ergab für den einzelnen Draht und Zwischenraum ein Durchschnittsmafs von 0,0463 mm und von der Mittellinie eines Drahtes bis zur Mittellinie des anderen gerechnet, also eine Entfernung von 0,0926 mm. Die Versuchs¬ anordnung war im übrigen eine analoge wie die in meiner letzten Arbeit (v. Graefes Arch. f. Ophthalm. XXXVI., pag. 37) abgebildete. Vermittelst eines grofsen mit zimmtsaurem Äthyl¬ äther gefüllten Prismas und Linsen von entsprechender Gröfse wurde ein Spektrum von etwas mehr als 20 cm Länge erzeugt. In der Ebene dieses Spektrums befand sich ein verschiebbarer Metallschirm mit einer ungefähr 3 mm im Durchmesser enthal¬ tenden Öffnung. Dem durch die Öffnung hindurch blickenden Beobachter erschien dann die Prismenfläche in derjenigen Spektralfarbe leuchtend, welche dem auf die Öffnung fallenden Spektralteil entsprach. Auf einer Schnurbahn konnte zwischen Auge und Prisma das oben beschriebene Gitter entfernt und genähert werden. So war es also möglich, in einem rein monochromatisch spektral erleuchteten gröfseren Felde den kleinsten Gesichtswinkel für die Stäbe und Zwischenräume des Gitters aufzufinden. Im ganzen wurden bei 7 verschiedenen Wellenlängen des Spektrums auf diese Weise die gröfstmög- lichen Sehschärfen festgestellt sowohl für das Auge von Prof. Koenig als für mein eigenes, natürlich mit jedesmaliger genauer Korrektion des Auges. Die Helligkeit wurde so gewählt, dafs bei einer weitern Steigerung derselben keine Verminderung des kleinsten wahrnehmbaren Gesichtswinkels eintrat, wovon wir uns jedesmal durch den direkten Versuch überzeugten. Um diese Intensität zu erzeugen, mufste für die Wellenlängen