Aus dem psychologischen Laboratorium zu Freiburg i. B. Die Association successiver Vorstellungen. Von H. Münsterberg. Die Theorien über Vorstellungsreproduktion divergieren in hohem Mafse bezüglich der Frage, ob die innere Verwandtschaft zweier Vorstellungen allein schon veranlassen kann, dafs eine von beiden die andere ins Gedächtnis zurückruft oder ob zu der inneren Ähnlichkeit und Abhängigkeit stets noch äufsere Beziehungen, wie Gleichzeitigkeit oder zeitliche Folge als Bedingungen der Association hinzutreten müssen. Bezüglich dieser zweiten Gruppe von Associationsgesetzen befinden sich die Theorien dagegen in weitreichender Übereinstimmung; jeder¬ zeit fast wurde zugegeben, dafs Vorstellungen, welche simultan oder in unmittelbarer Succession in demselben Bewufstsein erzeugt werden, sich späterhin gegenseitig reproduzieren. In der That zeigt es sich ja fortwährend, dafs nicht nur die gleich¬ zeitigen Erregungen mehrerer Sinne sich im Gedächtnis mit¬ einander verknüpfen, sondern dafs auch die nacheinander dargebotenen Teile einer Reizreihe sich für das Bewufstsein derart verbinden, dafs etwa der Anfang einer Tonfolge, einer Wortreihe, einer Kette von Erlebnissen sofort die Erinnerung an die Fortsetzung wachruft; alles Auswendiglernen, alle Er¬ fahrung beruht darauf. Trotzdem der Thatbestand dieser Gedächtnisleistung nun unzweifelhaft ist, dürfte die übliche Deutung derselben doch nicht unanfechtbar sein; ich glaube, dafs wir nicht berechtigt sind, die successive Association der simultanen zu koordi¬ nieren, dafs es vielmehr eine unmittelbare Association successiver Vorstellungen überhaupt nicht giebt. Meines Erachtens kommt 7*