Über die Wahrnehmung und Lokalisation von Schwebungen und Differenztönen. Yon Karl L. Schaefer, z. Z. d. Unters. Assistent am Physiologischen Institut in Jena. I. Schwebungen. Für die Wahrnehmung von Schwebungen ist ' es gleich¬ gültig, aus welcher Richtung uns die Töne, welche miteinander schweben, treffen. Dasselbe gilt hinsichtlich der Entfernung der Tonquellen vom Kopfe des Beobachters, vorausgesetzt, dafs nicht durch dieselbe die Intensität eines der Töne oder beider allzu gering wird. Die Stimmgabeln — nur solche wurden in der vorliegenden Untersuchung benutzt — mögen dicht neben¬ einander aufgestellt oder durch eine beliebige Strecke getrennt sein, sich auf derselben oder auf entgegengesetzten Seiten der unseren Körper in vertikaler Richtung sagittal halbierenden „Medianebene“ befinden, stets sind die Schwebungen, wenn auch in verschiedener Intensität, hörbar. Da dabei in der Regel jedes Ohr von beiden Tönen getroffen wird,1 so müssen auch die 1 Gewöhnlich geschieht dies auf dem Wege der Leitung durch die Luft. Es werden aber die Schwebungen auch sehr deutlich vernommen, wenn man wie Thompson [Silvanus P. Thompson. On Binaural Audition; Philosoph. Magaz. Ser. Y. Vol. IV. No. 25. pag. 274 ff.] die Gabeln in zwei durch ein drittes getrennten Zimmern aufstellt und ihre Töne mit Hülfe von Kautschuckschläuchen je einem Ohre des in einem mit jenen Zimmern nicht kommunizierenden Paume sich auf haltenden Beobachters zuleitet; eine Versuchsanordnung, hei der, zumal wenn die Schläuche mit schlecht leitendem Material umwickelt und mit leicht in die Ohren einfügbaren Ansatzstücken armiert sind, eine Überleitung jedes Tones zum anderen Ohre durch die Luft in der That ausgeschlossen sein dürfte. Thompson ist der wohl sicher richtigen Ansicht, welcher auch Mach [Archiv f. Ohren- heilk. Bd. IX. S. 76. 1875] und auf Grund anderer Versuche auch Seebeck [Poggendorffs Annalen, LXVITI, 449] heitritt, dafs dieselbe vielmehr in diesem Palle durch intracranielle Leitung stattfindet. Zeitschrift für Psychologie. 6