Der tägliche Umsatz der verfütterten nnd der transfnndirten Eiweissstoffe. Von S. Tschiriew. Seit den Untersuchungen von C. Schmidt, Th. Bischoff und C. Voit unterliegt es keinem Zweifel mehr, dass der Harn nach dem Verfluss von 24 Stunden eine Stickstoffmenge geliefert hat, welche sich derjenigen sehr annähert, die das Thier am Beginne der genannten Zeit in den Eiweisskörpern seiner Nahrung ver¬ zehrte. Ob diese Uebereinstimmung erzielt wird, weil die neu- ankommeriden Stoffe früher vorhandene aus ihren Verbindungen verdrängen, beziehungsweise den Stoffwechsel beleben, oder ob ein grosser Theil der Eiweissmassen schon während der Ver¬ dauung Veränderungen erfährt, durch welche ihre Umbildung in Harnstoff begünstigt wird, blieb unentschieden. Als eine der Verfahrungsarten zur Lösung dieser Frage wird man die zu be¬ trachten haben, welche dem Blut die Eiweissstoffe mit Umgehung des Darmkanals zuführt, und untersucht, wie sich unter diesen Bedingungen die Entstehung des Harnstoffs gestaltet. Aus diesem Gesichtspunkte schlug mir Herr Prof. Ludwig vor, einem Hunde eine bestimmte Menge von Hundeblut mit bekanntem Stickstoff¬ gehalt abwechselnd durch den Mund und durch die Venen zuzu¬ führen, und dabei die Stickstoffmenge auszuwerthen, welche das Thier mit dem Harne ausgiebt. Sollte sich bei diesem Versuche, wie es in der That der Fall war, ergeben dass dasselbe Nahrungsgemenge transfundirt weniger Harnstoff liefere, so würde hieraus allerdings noch keine sichere Antwort auf die oben gestellte Frage gewonnen sein. Denn ausser der Folgerung, dass das transfundirte Blut nicht in gleichem Maasse zersetzt sei, weil es die Veränderungen im Darmcanal umgangen habe, konnte man auch die andere ziehen, dass die transfundirten Blutkörperchen als ein lebendiges Ge¬ webe der chemischen Umformung einen grösseren Widerstand