Ueber die Summation elektrischer Hautreize. Von Dr. William Stirling. Mit 15 Holzschnitten. In den alteren Arbeiten über die Reflexe blieb die Zeit völlig unbeachtet, die von dem Momente ab verfliesst, in welchem die Erregung den sensiblen Nerven trifft, bis zum Augenblicke des Beginnes der ausgelösten Bewegung. Prochaska *) lässt die Nerven »die äusseren und inneren Eindrücke der Reize aufnehmen und sie mit einer elektrischen Geschwindigkeit zu ihrer Bestimmung leiten«. Selbst Joh. Müller, welchem die Eigenheit des »persönlichen Fehlers« bereits bekannt war, führt den Zeitunterschied, welcher zwischen der Wahrnehmung eines Gesichteindruckes (mit Beob¬ achtung eines hörbaren Pendelschlages) und dem Markiren des¬ selben besteht, gleich Bessel darauf zurück, dass unser Bewusst¬ sein nicht zweierlei Empfindung (durch Auge undOhr) gleichzeitig bemerken kann. Müller fügt hinzu: »Die Zeit, in welcher eine Empfindung von den äusseren Theilen auf Gehirn und Rücken¬ mark, und die Rückwirkung auf die äusseren Theile durch Zuckungen erfolgt, ist auch unendlich klein und unmessbar. Wenn man Frösche mit Opium oder Nux vomica vergiftet, so werden sie zuerst so ungeheuer sensibel, dass die geringste Be¬ rührung der Haut eine Zuckung am ganzen Rumpfe erregt. Hier erfolgt die Wirkung von der Haut zuerst auf das Rückenmark, und vom Rückenmark auf alle Muskeln. Dennoch ist es mir unmöglich gewesen, den geringsten Zeitunterschied zwischen der Berührung und den Zuckungen zu bemerken.«1 2) 1) Physiologie des Menschen, 1810 Bd. I. S. 136. 2) Joh. Müller, Handbuch der Physiologie des Menschen 1843 Bd. I. S. 683.